vds-magazin: Heft 9 (Nov 2003)
Lehrkräfte-Arbeitszeit-Verordnung (LAV)
Seit Beginn des Schuljahres gilt die neue Lehrkräfte-Arbeitszeit-Verordnung (LAV).
Sie hat in den Schulen erhebliche Veränderungen bewirkt. Spürbar sind die Aus-wirkungen auf die Stimmungs- und Motivationslage in den Kollegien, auf das Ver-hältnis zwischen den Kollegien und der Schulleitung sowie auf die Kooperation der Kolleginnen und Kollegen untereinander. Verschlechtert hat sich der Umgangston zwischen der Behörde und den Schulen, erkennbar sind Einschränkungen im pädagogischen Engagement von Lehrerinnen und Lehrern und in der Bereitschaft, mehr zu tun, als nach dem Arbeitszeitmodell der Behörde vorgesehen ist.
Ohne dass schon jetzt verlässliche Daten vorliegen, deuten sich für den Musik-unterricht gegenwärtig drei Tendenzen an:
- Musiklehrer müssen im Durchschnitt 2-3 Unterrichtstunden mehr geben als bisher.
- Sowohl in der Bewertung musikalischer Arbeitsgemeinschaften wie außer-unterrichtlicher Aktivitäten (Aufführungen) zeigen sich große Unterschiede in der Zuteilung von Zeitwerten durch sie Schulleitungen. Die gleiche musikpädagogische Arbeit wird an verschiedenen Schulen unterschiedlich verrechnet .
- Aufgrund der vorgeschriebenen Basisfrequenz von 20,5 Schüler für Oberstufenkurse kommen Grund- und Leistungskurse im Fach Musik an immer weniger Schulen zustande.
Die Diskussion über die LAV geht weiter. Schulen und Verbände fordern Nach-besserungen des Modells. Wie verlautet, soll dazu in der Behörde eine Kommission die fachspezifischen Arbeitsbelastungen von Kolleginnen und Kollegen ermitteln, was – so ist zu hoffen – zu ausgewogeneren Bemessungsgrundlagen pädagogischer Arbeit führen wird.
Für die Information der Eltern über die Auswirkungen der LAV auf den Musik-unterricht stellt der VDS Landesverband den Fachkollegien einen Briefentwurf zur Verfügung, den sie – eventuell aktualisiert und modifiziert –für ihre Zwecke verwenden können. Der Text dieses Entwurfs ist auch auf der Internet-Seite des Landesverbandes abrufbar.
Uve Urban
"Gospel-Train" bei der Bundesbegegnung SCHULEN MUSIZIEREN 2003 in Münster
"Ein tolles Erlebnis, diese Bundesbegegnung!", meinte eine Sängerinn vom Chor "Gospel Train" beim gemeinsamen Abendessen im Jugend-Gästehaus nach dem ersten Begegnungskonzert. Der Chor der Mittelstufe der Gesamtschule Harburg unter der Leitung von Peter Schuldt reiste als Hamburger Beitrag zur 12.Bundesbegegnung "Schulen musizieren" in die Stadt des "Westfälischen Friedens". Münster hat sich in jeder Hinsicht als idealer Ort für dieses Festival erwiesen. "Gospel Train" begeisterte das Publikum bei den unterschiedlichsten Auftritten, sei es bei der Begegnung in der Discothek "Jovel", bei dem Schulkonzert in der rappelvollen Aula des Immanuel-Kant-Gymnasiums oder bei dem Open-Air-Auftritt in der Stadtmitte Münsters. Immer wieder beeindruckte der Chor durch die hohe Qualität des Gospelgesangs, die Bühnen-Präsenz, die stilgerechten Arrangements sowie durch die solistischen Leistungen einzelner Sängerinnen und Sänger. Angenehm erfrischend und auf das jeweilige Publikum abgestimmt wirkte die Moderation der Auftritte durch den Leiter Peter Schuldt.
Den festlichen Abschluß der Bundesbegegnung bildete das Konzert im Opernhaus der Stadt Münster (Städtische Bühnen). Das Konzert demonstrierte noch einmal, welche Kraft vom gemeinsamen Musizieren ausgeht. In den Grußworten wurde die Bedeutung des Musikunterrichtes an allgemeinbildenden Schulen unterstrichen. Die Herzen des Publikums eroberten sich an diesem Nachmittag die hingebungsvoll spielenden Schülerinnen und Schüler des "Instrumentalensembles der St.Laurentius-Schule für ganzheitliche Erziehung, Herxheim" (Sonderschule).
Am Ende der Bundesbegegnung überall zufriedene Gesichter, so auch bei den Schülerinnen und Schülern des Chores "Gospel-Train" und bei ihren Lehrern. In Erinnerung bleibt nicht nur das schöne Gefühl, Erfolg gehabt zu haben, sondern auch die Erinnerung an das Miterleben der begeisternden Auftritte unterschiedlichster Ensembles aus anderen Bundesländern, Schulformen und Altersgruppen.
Es bleibt zu hoffen, dass unseren Schülerinnen und Schülern auch unter den neuen Rahmenbedingungen schulischer Arbeit in Hamburg ein solcher Erfolg bei den nächsten Bundesbegegnungen möglich sein wird.
Johannes Rasch
Musiklehrerversammlung Nr. 2
Die zweite Hamburger Musiklehrerversammlung zum Thema "Neues Arbeitszeitmodell" fand am 18. September 2003 im Helene-Lange-Gymnasium statt. Sie war weniger gut besucht als die erste (was man vielleicht auf die erhöhte Arbeitsbelastung im neuen Schuljahr zurückführen kann), arbeitete aber wesentlich effektiver. Wichtigstes Ergebnis: die unten abgedruckte einstimmig verabschiedete Presseerklärung. Darüberhinaus wurde an Ort und Stelle eine schriftliche Umfrage durchgeführt, mit der die Unterrichtsverpflichtung der anwesenden KollegInnen im laufenden Schuljahr, ihre subjektive Einschätzung der gegenwärtigen Arbeitssituation und die durch die neue Arbeitszeitregelung ausfallenden Musikgruppen, Konzerte usw. erfasst werden sollten. Außerdem konnte bereits ein Zwischenergebnis der Internet-Umfrage zur Umsetzung des neuen Arbeitszeitmodells vorgestellt werden. Danach haben die 37 antwortenden MusiklehrerInnen im Durchschnitt etwa 3 (im Einzelfall bis zu 7) Unterrichtsstunden mehr als im vergangenen Schuljahr (Pflichtvertretungsstunden, Funktionsstunden usw. nicht mitgerechnet). Die nächste Versammlung ist für den 24. November 2003 um 18:00 Uhr im Wilhelm-Gymnasium geplant.
Hans Jünger
Rosemarie Arnold zur Pensionierung im Sommer 2003
Zu den großen Ferien dieses Jahres ist Rosemarie Arnold, die Leiterin der Beratungsstelle für Schul- und Jugendmusik innerhalb des Instituts für Lehrerfortbildung, in Pension gegangen. Mit einem großen, für sie "heimlich" vorbereiteten Fest ist sie verabschiedet worden. Dieses Fest zeigte deutlich, wie viel schöne, menschlich-kollegial respektvolle und lebendige Kontakte Rosemarie Arnold hatte: im Institut für Lehrerfortbildung, zu vielen Schulen, in den Teams ihrer unterschiedlichen Tätigkeiten, zu unzähligen Kolleginnen und Kollegen, die alle in fröhlicher Atmosphäre ihr vielseitiges Tun und ihre Leistungen anerkannt haben und die in dieser Anerkennung dankbar erfüllt waren.
Sicher freut Rosemarie sich, dass nach den großen Ferien wenigstens eine Hälfte ihrer Stelle wieder besetzt ist: Theodor Huß ist im neu gegründeten Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung zuständig für den Musikunterricht in den Sekundar-stufen I und II. Sehr wahrscheinlich ist sie aber auch sehr enttäuscht, dass ihre Stelle geteilt worden ist und dass für den Musikunterricht in der von ihr so geliebten Grundschule noch ein N.N. im Fortbildungsverzeichnis des Landesinstituts steht. Das Verzeichnis weist auch nur eine einzige Fortbildungsveranstaltung für die Grundschule aus. Hoffentlich gibt es bald eine gute Lösung.
Rosemarie Arnold kannte den Musikunterricht und das Musikleben an Hamburger Schulen aus vielen Perspektiven. Sie war Lehrerin an einer Bergedorfer Schule und Fachseminarleiterin, danach Leiterin der Beratungsstelle für Schul- und Jugendmusik mit mehreren Sonderaufgaben: Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulstufen, Beratung der Behörde und der Schulen, qua Amt Vorsitzende des Ausschusses "Jugend musiziert", Auswahl der Musikinstrumente für Schulen, Verteilung von Fördermitteln, Arbeit an Richtlinien, Rahmen- und Bildungsplänen. Sie engagierte sich im VDS, war Vorstandsmitglied auf Landes- und Bundesebene. Viele Jahre war sie Vorsitzende des VDS-Landesverbandes Hamburg. Sie war Mitglied der Sozietät, die Aufgaben der an der Aus- und Fortbildung von Musiklehrerinnen und Musiklehrern beteiligten Institutionen koordiniert. Parallel dazu hat sie auch immer einige Stunden Musikunterricht gegeben.
Aus all diesen Aufgaben wuchsen viele menschlich und fachlich glaubhafte Kontakte, und aus ihnen erwuchs wiederum Kraft für die große Zahl von Aufgaben.
Rosemarie Arnold war geprägt durch ihre Eltern, die sie zum Geigen- und Klavierspiel anhielten, das Musik- und Pädagogikstudium in Berlin, das Singen in zwei großen Hamburger Chören, eine tiefe Überzeugung, wie wichtig das Singen ist, die Bereitschaft und Fähigkeit zu Teamarbeit, das Bestreben, alle Bereiche des Musikunterrichts abzudecken, ihre Anleiterin, Loki Schmidt, die sie überzeugt hat, wie bedeutungsvoll und zugleich schön die Arbeit in der Grundschule ist, Batia Strauso, die sie in der Lehrerfortbildung sehr inspiriert hat und die ihr einen glücklichen Umgang mit erwachsenen "Schülern" gezeigt hat.
Sicherlich gab es mehrere Höhepunkte in Rosemarie Arnolds beruflicher Laufbahn: Von 1990 bis 1998 gab es am Institut für Lehrerfortbildung Musik-Jahresseminare, bei denen musikinteressierte Kolleginnen und Kollegen ohne Fachausbildung für den Musikunterricht in den Grundschulen weiter qualifiziert wurden. In den letzten 15 Jahren gab es jeweils im Frühling dreitägige "Musikwerkstätten", zu denen unter einem Rahmenthema etliche Fortbildungskurse zusammengefasst waren, bei denen Kolleginnen und Kollegen aus den Schulen beispielhaft Themen des Musikunterrichts zeigten, praktizierten und erörterten. Jeweils mindestens 300 Teilnehmer waren dabei. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gab es etliche solcher beglückender Fortbildungsveranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern. Dazu kam die Erfahrung vieler gelungener und motivierender Musikveranstaltungen mit Schulkreismusizieren in Hamburger Schulen.
Nach einem so vielfältigen und reichen Berufsleben bleiben viele Wünsche:
- für das Fach Musik, dass Kinder und Jugendliche in allen Stufen aller Schulformen Musik in gelungenen Beispielen und motivierenden Vorbildern erleben und erfahren, mit Nachdruck auch beim eigenen Singen und Musizieren,
- für die Arbeit im neuen Landesinstituts, dass der Bereich Musik schnell, vollständig und gut ausgestattet wird und dass es Fortbildung mit vielen neuen Ideen gibt,
- für den VDS, dass er sein Engagement fortsetzt bei "Schulen musizieren" und für zentrale Veranstaltungen und dass er sich engagiert für Fortbildungsveranstaltungen zur Umsetzung der neuen Bildungspläne,
- für Rosemarie Arnold, dass sie sich auch wohl fühlt ohne die viele Arbeit, aber sicherlich mit Musik, denn "sine musica nulla vita!"
Neu im Hartsprung: Theo Huß
In der Abteilung Fortbildung des LI (früher: IfL) wird das Fach Musik zukünftig von zwei hauptamtlichen Dozenten vertreten werden. Der eine wird die Primarstufe, der andere die Sekundarstufen betreuen; beide werden mit halber Stelle an ihrer Schule bleiben. Hans Jünger sprach mit Theo Huß (51), der seit 1980 Musik- und Deutschlehrer ist, nacheinander an den Gymnasien Kirchdorf/Wilhelmsburg, Corveystraße und Osterbek unterrichtet hat und jetzt für die Fortbildung der MusiklehrerInnen an HR- und Gesamtschulen sowie Gymnasien zuständig ist.
Seit vier Wochen meldet sich am Telefon der Beratungsstelle Musik nicht mehr Rosemarie Arnold, sondern Theo Huß. Was wird jetzt anders?
Ich bin nicht mit dem Ziel gekommen, alles anders zu machen. Die Verehrung, die Rosemarie Arnold bei der Feier zur ihrer Verabschiedung entgegengebracht wurde, ist ein Zeichen dafür, dass eher das Anknüpfen als das Umkrempeln angesagt ist. Das heißt nicht, dass ich Rosemarie Arnolds sehr eigenen Stil imitieren will. Aber ich habe mich dafür entschieden, mich jetzt erstmal umzusehen und auszuloten, was die Sekundarstufenschulen brauchen und haben wollen. Ich spreche mit vielen Kollegen, frage sie, was sie interessiert, und freue mich auch, wenn sich jemand von sich aus mit Wünschen an mich wendet. Mein Ziel ist es, das Angebot so zuzuschneiden, dass es den Bedarf trifft und befriedigt.
Zeichnen sich denn schon Schwerpunkte ab?
Ich bin noch ganz am Anfang. Aber mit Sicherheit wird einiges zu tun sein, um die neuen Rahmenpläne bekannt zu machen und Hilfen zu geben, damit sie in die Praxis der Schulen einfließen können. Das betrifft z. B. die Themenzentrierung und die Praxisorientierung. Es wird auch weiterhin Fortbildung zu Musikunterricht und Computer geben. Und wenn das Zentralabitur auch für Musik kommt, werden wir uns vermutlich auch damit beschäftigen müssen. Schön fände ich, wenn ich mit der Fortbildung mehr in die Stadtteile gehen könnte. Wenn interessierte Kollegen sich melden, könnten wir uns z. B. in Harburg oder in Altona verabreden und Veranstaltungen vor Ort machen.
Im neuen Jahresverzeichnis gibt es nur ein einziges Kursangebot für GrundschullehrerInnen. Sollen in Zukunft verstärkt GymnasiallehrerInnen fortgebildet werden?
Dass es nur einen Grundschulkurs gibt, liegt daran, dass die halbe Stelle für den Bereich Primarstufe noch nicht besetzt ist. Die Bewerbungsfrist endete erst vor einigen Tagen. Ich hoffe, dass schnell jemand gefunden wird, denn Angebote für Grundschulen sind dringend erforderlich und werden stark nachgefragt. Deshalb ist auch nach Drucklegung des Verzeichnisses ein 30-stündiges Weiterbildungsseminar für fachfremde GrundschullehrerInnen eingerichtet worden, das von Rosemarie Engelhadt-Bunte und Kai Jacobs geleitet wird. Meine eigene Zuständigkeit beschränkt sich übrigens nicht auf die Gymnasien. Mit Sekundarstufe I sind auch die HR-Schulen und die Gesamtschulen gemeint. Deshalb sind die gegenwärtigen Angebote so konzipiert, dass sie sich an alle Musikolleginnen und -kollegen etwa ab Klasse 5 wenden. Beispielsweise wird die kommende Herbsttagung erstmals auch für HR-Lehrer offen sein.
Um welches Thema wird es bei der Herbsttagung gehen?
Um die neuen Rahmenpläne. Das Motto lautet "Perspektivwechsel". Damit meine ich, dass sich durch die neuen Pläne gewisse Akzente ändern. Sie stellen verschiedene Umgangsweisen mit Musik gleichberechtigt nebeneinander, hängen die frühere Dominanz des Nachdenkens oder Analysierens oder Theorielernens etwas niedriger und stellen gleichberechtigt daneben das Singen, das Tanzen, das Spielen von Musik, das Umsetzen von Musik in andere Aktionsformen. Für mich ist der Perspektivwechsel von einer Umgangsweise zur andern eine interessante didaktische Qualität. Dafür möchte ich auf der Herbsttagung einige Beispiele liefern. Sie findet übrigens statt am Donnerstag und Freitag 13./14. 11. im Sunderhof. Die Schulen erhalten Ende September ein Programm mit Anmeldebogen.
Welche Konsequenzen hat die Gründung des Landesinstituts für das Fach Musik?
Die Vereinigung von Studienseminar, IfL, Landesmedienzentrum und einigen anderen Dienststellen hat für die Fortbildung keine unmittelbaren Konsequenzen. Ich arbeite jetzt gelegentlich auch mit Referendaren. Viel dramatischer sind die Folgen der Sparmaßnahmen. Für dieses Schuljahr sind die Honorarmittel zum wiederholten Mal um etwa ein Drittel gekürzt worden.
Du arbeitest jetzt an zwei Dienststellen. Fühlst du dich eher als Lehrer oder als Fortbildner?
In den letzten 14 Tagen hat die Schule einen stark saugenden Effekt auf mich ausgeübt, weil ich auch Klassenlehrer einer 5. Klasse bin. Die Schule schafft es locker, einen den ganzen Tag zu beschäftigen, auch wenn man nur eine halbe Stelle dort hat. Ich glaube aber, dass ich ein Gleichgewicht herstellen kann. Das bin ich aus der Zeit gewöhnt, wo ich auch als Personalrat gearbeitet habe. Und den Grundgedanken, dass jemand, der in der Fortbildung arbeitet, auch in der Schule unterrichtet, finde ich völlig richtig. Organisatorisch ist es manchmal schwierig - z.B. die banale Frage: Wie kriege es hin, dass mein Rechner zu Hause dateimäßig immer auf dem gleichen Stand ist wie der im Hartsprung.
Macht dir deine Tätigkeit Spaß?
Es fängt an. Das Schönste ist, wenn die Bürokratie vorbei ist und man dann in der Fortbildungsveranstaltung sitzt und sich mit den Kollegen austauscht.
Vielen Dank für dieses Gespräch!
Hans Jünger
Kontakt:
Sprechstunde: dienstags 14 - 16 Uhr, Hartsprung 23 Tel. 42801 - 2635
E-mail: theo.huss@t-online.de
Tel. (privat): 040 / 55 58 33 88
Fortbildungsangebote des Landesinstituts
Theo HußDrumset und Percussion im Klassenverbanda) 21.10. und 4.11. 03 jeweils 15.30 -17.30 Uhrb) 30.3. und 13.4. jeweils 15.30 - 17.30 Uhr
Theo Huß
Stomp: Geräuschchoreografie mit Alltagsgegenständen
a) 28.10., 15 - 18 Uhr
b) 10.2. 15 - 18 Uhr
Theo Huß u.a.
Perspektivwechsel
Tagung für Musiklehrkräfte der Beobachtungsstufe und der Sek.I aller Schularten
13. und 14.11. im Sunderhof
(genaues Programm wird verschickt)
Rosemarie Engelhardt-Bunte und Kai Jacobs
"Die Zauberflöte" von W.A.Mozart: Eine kindgerechte Annäherung
9.1., 16 - 19 Uhr und 10.1., 10 - 16 Uhr
Theo Huß
Gitarrenunterricht in großen Gruppen
3.2., 17.2. und 2.3. jeweils 15.30 - 17.30 Uhr
Theo Huß
MIDI für Einsteiger: Computereinsatz im Musikunterricht
5.2. und 19.2. jeweils 16 - 18 Uhr, Moorkamp 3
Yvonne Funck
Tanz Klasse 4 - 6
28.2., 10 - 13 Uhr, Turnierstieg 24
Theo Huß
Anwendungsbeispiele für den Einsatz von MIDI-Daten in einem kreativen Musikunterricht
4.3., 16 - 18 Uhr, Moorkamp 3
Weiter Informationen zu den Veranstaltungen im LI-Verzeichnis oder im Internet unter
www.li-hamburg.de Bitte melden Sie sich bei Interesse rechtzeitig an (Fax 42801- 2877).
Neue Rahmenpläne
Die Hamburger Behörde für Bildung und Sport revidiert zurzeit in einem aufwändigen und umfassenden Verfahren die Rahmenpläne aller Fächer, so auch die für Musik. Bei den Entwurfsfassungen beteiligt sind hierbei neben den Rahmenplankommissionen, die mit praxiserfahrenen Kolleginnen und Kollegen aus den Schulen sowie der Lehreraus- und fortbildung besetzt sind, die Fachreferenten, die Universität und die Hochschulen, die Behördenleitung, die fachübergreifenden Bildungsplankommissionen der jeweiligen Schulformen, die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen, Schülerkammer, Lehrerkammer, Elternkammer und Landesschulbeirat. Aufgrund der schließlich vorliegenden Meinungsäußerungen und Voten beschließt die Deputation der Behörde letztlich die neuen Rahmenpläne und macht sie verbindlich.
Alle 60 Pläne der Sekundarstufe I der Haupt- und Realschulen, der Gesamtschulen und der Gymnasien sind am 16.4.2003 von der Deputation beschlossen worden, so auch die für Musik. Sie sind ab 1.8.2003 verbindliche Grundlage für den Unterricht.
Gegenüber den bisherigen Lehrplänen ergeben sich dabei wesentliche Veränderungen. So wird dem praktischen Musizieren im Singen und Instrumentalspiel eine noch größere Bedeutung als bisher beigemessen. Durch niederschwellige Einstiege wird auch musikalisch weniger erfahrenen Schülerinnen und Schülern die Mitwirkung bei praktischer Musikausübung ermöglicht.
Verbindliche Inhalte für die Jahrgangsstufen 5/6, 7/8 und 9/10 sichern einen Grundbestand an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten für alle Schülerinnen und Schüler.
Die "Umgangsweisen", die im Fach Musik auch Lerninhalte darstellen, sind gegenüber dem bisherigen Plan stärker ausdifferenziert worden. "Musik erfinden" und "Musik (in ein anderes Ausdrucksmedium) umsetzen" werden stärker betont und treten eigenständig neben Singen, Instrumentalspiel, Hören und Reflexion auf.
"Themenzentrierter" Musikunterricht bindet menschliche und gesellschaftliche Grunderfahrungen und Generalthemen in fächerübergreifende Zusammenhänge ein und bedient sich dann insoweit der Fachsystematik, wie dies für das Verstehen der Gesamtthematik sinnvoll erscheint. Ziel dabei ist eine stärkere Orientierung an den Frageinteressen der Schülerinnen und Schüler.
Die Jugendlichen sollen aber durchaus von ihren Fragehorizonten aus weitergeführt werden in Gebiete, die sie bisher nicht oder wenig kennen. Trotz einer stärkeren Schülerorientierung ist dabei der Anspruch fachlichen Lernens erhöht und explizit ausformuliert. Eine Schwerpunktsetzung hinsichtlich eines bewussteren Methodenlernens zeigt sich in der Ausformulierung der vier wesentlichen Betrachtungsdimensionen: dem strukturellen Aspekt, dem ausdrucks- und wirkungsbezogenen Aspekt, dem historischen und schließlich dem funktionalen Aspekt von Musik. Auch die Anforderungen hinsichtlich einiger musikalischer Basiskompetenzen und hinsichtlich eines musikgeschichtlichen und musiktheoretischen Orientierungswissens gehören in den Zusammenhang fachlichen Lernens.
Jahrgangsorientierte Querverweise auf die anderen Fächer und die Aufgabengebiete regen zu fachübergreifendem bzw. fächerverbindendem Arbeiten an.
Die Rolle der Fachkonferenzen ist gestärkt: Hier werden die Unterrichtsthemen diskutiert und miteinander abgestimmt und daraufhin geprüft, ob bei relativer Freiheit der Themenwahl die verbindlichen Inhalte hinreichend Berücksichtigung finden.
Bei vielen Hamburger Musiklehrerinnen und Musiklehrern, die die Rahmenplanentwürfe auf Tagungen und in der schulischen Praxis kennen gelernt und diskutiert haben, konnte ein erfreuliches Interesse und grundsätzliche Akzeptanz festgestellt werden. Kritische Einwände wurden sorgfältig geprüft und führten zu einer Reihe von Änderungen der ursprünglichen Entwürfe.
Die Grundschul-Rahmenpläne befinden sich zur Zeit zur Erprobung in den Schulen, und auch die neuen Pläne für die gymnasiale Oberstufe stehen bereits kurz vor der Veröffentlichung.
Die neuen Hamburger Rahmenpläne stehen im Internet unter www.bildungsplaene.bbs.hamburg.de
Jürgen Kreffter
Fachreferent für Musik
Behörde für Bildung und Sport Hamburg
Bläserklassen am Gymnasium Ohlstedt
Seit über 6 Jahren gibt es am Gymnasium Ohlstedt in Hamburg Bläserklassen. Sie sind inzwischen zu einer festen Einrichtung geworden und werden für jeden Jahrgang der 5.Klassen eingeplant.
Nachdem beim traditionellen "Tag der offenen Tür" im Januar die Viertklässler der umliegenden Grundschulen und ihre Eltern über das Modell informiert worden sind und praktische Kostproben aus dem musikalischen Repertoire einer Bläserklasse gehört haben, können die Eltern bei der Anmeldung gleich ihren Wunsch für die Bläserklasse mit angeben. In allen Jahrgängen haben wir bisher eine Bläserklasse in voller Klassenstärke einrichten können. Allerdings werden die Bläserkinder dann auf zwei Parallelklassen verteilt, damit die Schulleitung die Möglichkeit hat, auch andere Gesichtspunkte bei der Klassenzusammensetzung zu berücksichtigen (z.B. das Verhältnis Jungen - Mädchen, Freundschaften u.ä.) Die Bläser der beiden Klassen kommen dann nur für den Musikunterricht zum "Bläserkurs" zusammen, während die anderen Kinder beider Klassen gleichzeitig "normalen" Unterricht (im Kurs) haben..
Für den Bläserkurs gibt es keine zusätzlichen Stunden. Das Erlernen der Blasinstrumente findet in den beiden wöchentlichen Musikstunden statt.
Wir haben uns auf die Instrumente Querflöte, Klarinette, Altsaxophon, Trompete und Posaune beschränkt, also solche Instrumente, die ab 7. oder 8.Klasse auch in unserer Schul-Big Band eingesetzt werden können. Die Schule besitzt einen kompletten Klassensatz von 32 Instrumenten, die an die Kinder zu Anfang der 5.Klasse ausgeliehen werden. Zu Beginn der 6.Klasse muss jedes Kind ein eigenes Instrument besitzen.
Das Besondere am Bläserklassen-Modell unserer Schule ist die Mitarbeit von 5 professionellen Instrumentallehrern. Eine Flötistin, ein Klarinettist, zwei Saxophonisten und ein Trompeter kommen zweimal in der Woche in die Schule und betreuen zusammen mit dem Musiklehrer, der sich um die Posaunen kümmert, die Bläserkurse. Dadurch ist es möglich, dass die Kinder in Kleingruppen (4 bis 6 Kinder pro Gruppe) qualifizierten Instrumentalunterricht erhalten.
In der 5.Klasse beginnen wir gleich in den Kleingruppen, und erst nach einigen Wochen kommen wir am Ende einer Stunde zum Plenum im Musikraum zusammen, um uns gegenseitig vorzuspielen und gemeinsam zu musizieren.
In der 6.Klasse sind die Instrumentallehrer nur noch einmal wöchentlich da, um ihre Gruppen zu betreuen. In der zweiten Musikstunde habe ich den gesamten Bläserkurs bei mir. In dieser Stunde musizieren wir, hören und schreiben Musik und erarbeiten uns notwendiges theoretisches Wissen.
Als Kursmaterial benutzen wir "Essential Elements" aus dem deHaske-Verlag, das sowohl instrumententypisches Unterrichten in der Kleingruppe als auch orchestrales Musizieren und Lernen in der heterogenen Großgruppe ermöglicht. Ab der 6.Klasse setze ich zunehmend auch eigene Arrangements und anderes Spielmaterial ein, das sich für unsere Besetzung eignet.
Auf Wunsch der Eltern und Kinder bleiben die Bläsergruppen meist auch in der 7.Klasse zusammen. Dann gibt es allerdings Instrumtentalunterricht in der Gruppe nur noch nachmittags als freiwilliges Zusatz-Angebot bei den schon bekannten Lehrern. In den beiden gemeinsamen Musikstunden der 7.Klasse spielen wir nun auch schon einfache Arrangements von Originalwerken bekannter Komponisten. Nachmittags gibt es für die 7.Klassen eine freiwillige "Junior Band" als Vorstufe der Big Band.
Die Finanzierung der Instrumentallehrer in der 5. und 6.Klasse geschieht durch gleichmäßige Umlage der Kosten für die Honorare auf alle Kinder des Bläserkurses. In der 5.Klasse entstehen monatliche Kosten pro Kind von ca. 40 €, wobei die Ausleihe des Schulinstruments schon eingeschlossen ist. In der 6.Klasse bei nur noch einer Stunde mit den Instrumentallehrern und ohne Leihinstrument haben sich die Kosten entsprechend verringert.
Es ist uns bewusst, dass die Anschaffung eines eigenen Instruments und die Finanzierung von 5 professionellen Instrumentallehrern für die Eltern eine erhebliche finanzielle Belastung ist. Es hat sich aber herausgestellt, dass dies im sozialen Umfeld unserer Schue im allgemeinen keine unüberwindliche Hürde darstellt, wie die Anmeldezahlen für die Bläserkurse über die Jahre beweisen. Wenn es die Situation zulässt, können Schulinstrumente auch noch in der 6. und 7.Klasse ausgeliehen werden, wenn Eltern mit der Finanzierung eines eigenen Instruments Schwierigkeiten haben und wenn nicht alle 32 Instrumente für eine 5.Klasse gebraucht werden.
Die Vorteile unseres Modells mit 6 parallel arbeitenden Kleingruppen zu Anfang liegen auf der Hand und sind für jeden Beobachter und Zuhörer "unüberhörber":
- die Kinder werden auf ihrem Instrument optimal gefördert
- die Fortschritte sind, besonders im ersten Halbjahr, sehr groß
- die Lehrer haben bei derart kleinen Gruppen die Möglichkeit, Kindern mit speziellen
Schwierigkeiten besonders zu helfen
- die Kinder haben ständig Erfolgserlebnisse und sind entsprechend motiviert
- beim gemeinsamen Musizieren im Plenum muss der Musiklehrer sich kaum oder
überhaupt nicht um technische Details einzelner Instrumente kümmern
- schon nach kurzer Zeit können leichte drei- und vierstimmige Spielstücke und
Lieder musiziert werden
- instrumententypische Dinge wie Ansatz, Tonbildung, Haltung usw. werden immer
von einer Fachlehrerkraft unterrichtet, sodass die Kinder eine handwerklich solid
Ausbildung auf ihrem Instrument erhalten.
Weitere Fragen zu unserem Modell und unseren Erfahrungen beantworte ich gerne persönlich oder am Telefon (04193 – 809 80 49, Fax 04193 – 809 80 48). Auch Hospitationen sind jederzeit möglich. Die Bläserkurse der 5. und 6.Klassen haben ihre Stunden montags und donnerstags zwischen 12.45 und 14.15 Uhr. Die Schule befindet sich im nordöstlichen Randgebiet Hamburgs und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln (U-Bahn) gut zu erreichen.
Ulrich Spratte


