vds-magazin: Heft 4 (Apr 2001)
Kinderkonzerte: La Boîte à joujoux
(RA) Die Hamburger Camerata lädt im Januar 2005 zu einem besonderen Ereignis ein: Mit der Musik von Claude Debussy "La Boîte à joujoux" wird ein "Musikalischer Traum aus der Spielzeugschachtel" gezaubert. Im Vordergrund der Kinderkonzerte steht nicht die Reproduktion der ursprünglich als Kinderballett konzipierten Musik. Vielmehr ist die Handlung in eine neue künstlerisch-musikalisch gestaltete Form übertragen worden, die von konzentrierten Momenten des Zuhörens und vom aktiven Mitmachen lebt.
Dirigent der Konzerte ist Max Pommer, die Moderation übernimmt Rolf Seelmann-Eggebert. Eine Kindertanzgruppe der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg unter der Leitung von Astrid Langner-Buchholz wird das Geschehen szenisch gestalten.
Zwei Veranstaltungen für Schulklassen finden am Freitag, dem 21.1.2005 um 9.00 und um 11.00 Uhr in Kampnagel (Jarrestraße 20) statt. Die Schülerkonzerte werden durch den Musikausschuss der GEW unterstützt und organisiert (Karten über Gabriele Sobotta, Fax/Tel.: 040-60441162).
Am Sonntag, dem 23. Januar um 15.00 Uhr, gibt es ein Familienkonzert. Karten hierfür erhalten Sie bei Kampnagel, an allen üblichen Vorverkaufsstellen oder auch direkt über die Hamburger Camerata.
Für Lehrkräfte, die das Musikstück im Unterricht vorbereiten möchten, gibt es eine Mappe mit praktischen Ideen für den Unterricht. Sie sind von den Musikpädagoginnen Barbara Stiller und Julia Wetzel, die auch das Konzept für das Konzert entwickelt haben, ausgearbeitet worden. Das Material kann bei der Hamburger Camerata (Tel.: 040-4206464) angefordert werden.
Bestimmt wird der Konzertbesuch auch ohne vorherige Vorbereitung ein lohnenswertes Erlebnis.
Gute noten! – Netzwerk Orchester & Schulen
(Jg) Die Deutsche Orchester-Vereinigung (DOV), der Verband deutscher Schulmusiker (vds) und der Arbeitskreis für Schulmusik (AfS) haben begonnen, ein Netzwerk zwischen allgemein bildenden Schulen und Orchestern, Rundfunkensembles und Musiktheatern aufzubauen. Als erstes wurden Ansprechpartner in den Ensembles benannt, an die sich interessierte LehrerInnen wenden können (für Hamburg: Philharmonisches Staatsorchester, Hamburger Symphoniker, NDR-Chor, NDR-Sinfonieorchester, NDR-Bigband). Mehr Information hier unter "NETZWERK ORCHESTER & SCHULEN", Kontaktadressen können hier erfragt werden.
Ihr habt uns gerade noch gefehlt – Kooperation NDR-Sinfonieorchester – Schulen
(Jg) Das NDR-Sinfonieorchester bietet in der Saison 2004/05 folgende Workshops für Kinder und Schulklassen an: "Die ausgebüxte Eisenbahn" und "Neue Abenteuer der ausgebüxten Eisenbahn" für 3-6jährige Kinder, "Das Orchester-Domino" für 7-12jährige Kinder sowie Vivaldis "Vier Jahreszeiten" ab Klasse 4 und Messiaens "Quartett auf das Ende der Zeit" ab Klasse 8. Die Veranstaltungen finden teils im NDR-Hörfunk, teils in der Musikhalle, teils in den Schulen statt. Näheres hier.
Ausschreibung: 3 Pilotschulen Kultur
(Jg) Bildungs- und Kulturbehörde wollen an drei Schulen drei Jahre lang kulturelle Projekte mit 10.000 € jährlich fördern. Voraussetzungen: 1. Es handelt sich um Ganztagsschulen oder solche, die es werden wollen. 2. Die Kulturprojekte müssen mit außerschulischen Partnern kooperieren. 3. Die Schule muss Eigenmittel in gleicher Höhe einbringen (woher, ist noch unklar). Schulen können sich bis 30. 11. 2004 bewerben beim Referenten für Ganztagsschule, Herrn Ulrich Rother (B 21-6), Tel. 428 63 2068.
Musik in der Ganztagsschule – Positionspapier des Deutschen Musikrates
(Jg) Am 22. 5. 2004 hat der Deutsche Musikrat der Präsidentin der Kultusministerkonferenz Doris Ahnen ein Positionspapier zur Stellung der Musik in der Ganztagsschule überreicht. In diesem Papier, das auf dem Internationalen Kongress "Musik in der Ganztagsschule" in Königstein/Ts. erarbeitet worden ist, sind Leitlinien zur Sicherung und Verbesserung der musikalischen Bildung in der und durch die Ganztagsschule formuliert.
Downloads:
Positionspapier (DOC, 29 KB)
Bericht (DOC, 2.2 MB)
„Musik gewinnt!“ – 1. Preis für die Grundschule Eulenkrugstraße
(Jg) Der Grundschule Eulenkrugstraße ist der 1. Preis in der Sparte Grundschulen von "Musik gewinnt!" zuerkannt worden. Dieser vom vds-Bundesverband in Zusammenarbeit mit der Strecker-Stiftung Mainz und dem Westdeutschen Rundfunk Köln ausgeschriebene Wettbewerb zeichnet Schulen aus, in denen das musikalische Leben in besonderer Weise ausgeprägt ist.
Der Landesverband Hamburg hat zwei Ehrenvorsitzende
(Jg) Am 1. März 2004 wurden im Rahmen einer kleinen Feier Rosemarie Arnold und Christoph Schönherr – beide lange Jahre Mitglieder, Vorstandsmitglieder und Vorsitzende des vds-Landesverbands Hamburg – zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Sie sind damit beratende Mitglieder des Landesvorstands.
Hamburger Schulen musizieren
(Ra) Der Verband Deutscher Schulmusiker führt mit finanzieller Unterstützung durch das Amt für Bildung auch in diesem Jahr die Veranstaltungsreihe HAMBURGER SCHULEN MUSIZIEREN durch. Diese Reihe wird alle zwei Jahre auf Landesebene veranstaltet und durch eine repräsentative Bundesbegegnung "SCHULEN MUSIZIEREN" im Folgejahr (2005) ergänzt.
Es soll die ganze Breite schulischen Musizierens gezeigt werden. Darum hoffen wir wieder auf zahlreiche Meldungen aus allen Schulformen und Schulstufen. Besonders willkommen sind auch Beiträge aus dem Sonderschulbereich. Es können Musikgruppen aller Besetzungen oder auch Schulklassen angemeldet werden. Schulaufführungen, die im Zeitraum vom 3.5.04 bis zum 23.6. 2004 stattfinden, werden auf einem Faltblatt und einem Plakat in großer Auflage veröffentlicht und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jede Gruppe erhält eine Teilnehmerurkunde. Eine der teilnehmenden Gruppen erhält die Chance, sich eines bundesweiten Echos bei der Bundesbegegnung "Schulen Musizieren" 2005 zu erfreuen.
Die Landesbegegnung "Schulen Musizieren" hat sich in der Vergangenheit auf die gesamte Breite schulmusikalischer Arbeit gestützt, insbesondere auf die klassen- und jahrgangs-übergreifenden musikpraktischen Arbeitsgemeinschaften. Die Musikkolleginnen und -kollegen sehen sich nach der Einführung des neuen Lehrerarbeitzeitmodells im Jahr 2003 nicht mehr in der Lage, zusätzliche Konzertveranstaltungen durchzuführen (siehe: "Erklärung der Versammlung Hamburger Musiklehrer vom 18.9.03"). Von dem in der Vergangenheit sehr erfolgreichen Konzept, der Mischung aus Begegnungskonzerten und individuell gestalteten Schulaufführungen muss daher abgerückt werden. Auf die Durchführung von Begegnungskonzerten wird bis auf weiteres verzichtet werden müssen. Individuell durchgeführte Schulkonzerte (Sommerkonzerte, Sommersingen, Bunte Abende etc. ), die in der Zeit vom 3.5.-23.6.04 stattfinden, können jedoch weiterhin im Rahmen von "Hamburger Schulen musizieren 2004" angemeldet werden. Auch Konzerte deren Titel, deren Veranstaltungszeit, usw. auf die gegebene Situation reagieren sind herzlich willkommen!
Die langjährige Dokumentation der Veranstaltungsreihe "Hamburger Schulen musizieren" bildet den Spiegel eines wichtigen Teils der Hamburger Schulmusiklandschaft. Die aktuelle Entwicklung wird seitens des vds kritisch dokumentiert und den verantwortlichen Gremien in der Behörde sowie den politischen Entscheidungsträgern zugänglich gemacht.
Schulen, die an der Veranstaltungsreihe teilnehmen wollen, senden den ausgefüllten Anmeldebogen (Download, PDF, 57 KB) bis zum 26.3 2004 an Johannes Rasch (Luisen-Gymnasium Bergedorf, LZ: 515- 5848, Tel. 7241620 Fax: 7246594 Tel/Fax privat: 7209712 E-Mail: j-rasch@gmx.de).
Programm: Download als Word-Dokument (40 KB).
Lehrerfortbildung – jetzt mit Grundschulmusikpädagogik
(Jg) Das LIF (Landesinstitut – Abteilung Fortbildung) hat die seit vergangenen Sommer vakante halbe Stelle für Musikunterricht auf der Primarstufe besetzt: Martin Schönfeldt ist jetzt für die Beratung und Fortbildung von GrundschulmusiklehrerInnen zuständig.
Runder Tisch – jetzt mit Schulmusik
(Jg) Am 15. 1. 04 hat ein viertes Gespräch der Initiativgruppe Hamburger Musiklehrer mit der Bildungsbehörde (Senator Soltau) stattgefunden. Ergebnis: Die Schulmusik wird ab 9. 2. 04 mit Lutz Kannenberg am Runden Tisch zur Überarbeitung der LAV vertreten sein.
Vorstand des Landesverbands gewählt
(Jg) Die Mitgliederversammlung des Landesverbands Hamburg hat am 1. 12. 2003 einen neuen Vorstand gewählt. Im Amt bestätigt wurden Uve Urban (Vorsitz), Rotraud Nesemeyer (Kasse), Hans Jünger, Hans Steinfeld. Neu im Vorstand sind Bernd Achilles und Dorothea Kaumann. Außerdem wird als kooptiertes Mitglied Cornelia Kunze mitarbeiten. Nicht wieder zur Wahl gestellt hat sich – nach 22 Jahren Vorstandsarbeit – Christoph Schönherr.
25jähriges Jubiläum des Landesmusikrats Hamburg
Vor 25 Jahren ist der Landesmusikrat in der Freien und Hansestadt Hamburg gegründet worden. Aus diesem Anlass hat am 27. 11. 2003 Wolfhagen Sobirey, der Präsident dieses Dachverbands Hamburger Musikinstitutionen, -vereine und -verbände (auch der vds Hamburg ist Mitglied), eine Rede gehalten, die auch auf Probleme der Hamburger Bildungspolitik eingeht und daher im Folgenden wiedergegeben wird.
"Landesmusikrat Hamburg – eine Zwischenbilanz"Der Landesmusikrat hat die Aufgabe, das Musikleben zu fördern. Er wirkt zusammen mit Politik, Behörden und Medien, notfalls auch gegen Politik, Behörden und Medien, - immer für die Musik und für die Gesellschaft. Der Landesmusikrat ist in Hamburg die Stimme der Musik. Als Dachverband der Musik bindet er vielfältige Kompetenzen ein, Vertreter aller Musikrichtungen, die Künstler, die Amateure, die Musikliebhaber, die Musikpädagogen, die Musikinstitutionen, die großen Ensembles, die Musikverbände, die berufsständischen und gewerkschaftlichen Interessenvertretungen, die Musikalienhersteller, den Musikhandel, die Medien. Nach innen wirkt der Landesmusikrat, indem sich seine Mitglieder begegnen, austauschen, anregen, indem sie kooperieren. Nach außen wirkt er, indem er die Interessen der Musik in Hamburg zu bündeln versucht, indem er die Kulturpolitik, die Behörden und die Medien beobachtet, berät, wo es angebracht ist, auch kritisiert. Meist muss er die Musik verteidigen. Außerdem gestaltet der Landesmusikrat im Sinne einer aktiven Bürgergesellschaft das Musikleben mit, ergreift Initiativen, wo staatliches und privates Handeln fehlt, z.B. weil die öffentlichen Mittel nicht reichen. Diese Maßnahmen, diese Projekte des Landesmusikrat s unterstützt der Staat mit Projektmitteln. Der Landesmusikrat erweitert diese Mittel, indem er zusätzlich privates Geld einwirbt. Außerdem bringen seine Mitglieder kostbare, unbezahlbare ehrenamtliche Arbeit ein. Der Senat kann sich freuen. Indem er die kleine Geschäftsstelle des Landesmusikrats finanziert, gewinnt er Know-how, neue Ideen, Mehrwert, kostenlose Arbeitskräfte und erhebliche zusätzliche Finanzmittel von privater Seite. Wir haben allerdings nicht den Eindruck, dass das angemessen gewürdigt wird. Ich wollte heute eigentlich nur Freundlichkeiten von mir geben, schließlich feiern wir Geburtstag, aber anmerken möchte ich doch, dass der Hamburger Senat diesen Landesmusikrat zu gering unterstützt. Es gibt nur sehr begrenzt Projektmittel, es gibt nicht einmal eine Vollzeitstelle für die Geschäftsstelle. Die Geschäftsführerin kann nur mit einer dreiviertel Stelle und unterbezahlt vergütet werden. Viele Aufgaben müssen liegen bleiben. Der Hamburger Landesmusikrat ist einer der ärmsten Landesmusikräte in Deutschland. Kein gutes Zeugnis für den Hamburger Senat, kein Zeichen von großer Lust auf Demokratie und auch kein Zeichen von Stärke, wenn man den außerbehördlichen Sachverstand so klein halten muss! Der Landesmusikrat Hamburg besteht jetzt 25 Jahre. Am 24.November 1978 wurde er gegründet. 25 Jahre kulturelles Engagement für Hamburg, 25 Jahre politisches Engagement. Was heißt das? Kulturelles Engagement, tabellarisch:
Es gibt dankenswerterweise eine intensive Zusammenarbeit mit der Hamburgischen Kulturstiftung, der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, der Oscar und Vera Ritter-Stiftung, mit Feldtmann kulturell, mit der Hamburger Feuerkasse, NDR 90,3, NDR Jazz-Redaktion, mit "Jugend kulturell" der Vereins und Westbank sowie mit dem Verein "Kinder helfen Kindern" des Hamburger Abendblatts u.a.. Diese Erfolgsgeschichte verdanken wir unseren Mitgliedern, die den LMR engagiert unterstützen, der Kulturbehörde, unserer wichtigsten Förderin, der Bildungsbehörde - und vielen privaten Förderern. Den besonderen Dank richte ich an Sie, Herr Prof. Dr. Werner Krützfeldt, unseren Gründungspräsidenten und Präsidenten über 20 Jahre hinweg, durch Ihr Engagement, Ihre Weitsicht und Ihre viele unbezahlte, ehrenamtliche Arbeit ist der Landesmusikrat in Hamburg möglich geworden! Vielen Dank! 25 Jahre politisches Engagement für Hamburg. Was sind die aktuellen Themen? Kultur ist kein Schwerpunkt der aktuellen Hamburger Politik. Der Etat der Kulturbehörde ist nach wie vor ein Zwergen-Etat. Die Verteilung der Zuständigkeit für Kultur auf mindestens 4 Behörden wirkt sich wie eh und je als Hemmschuh aus. Wir registrieren besorgt den Traditionsverlust , den Verlust an Hochkultur, woraus sich ein Bedeutungsverlust der großen Kulturinstitutionen (z.B. Oper, Orchester etc.) ergibt, die Gefahr laufen, ihr Publikum und neuerdings auch den Rückhalt in der Politik zu verlieren. Wir setzen uns einerseits mit Leidenschaft ein für den Erhalt der staatlich verantworteten Kulturinstitutionen! Wir hören mit Entsetzen, dass die Politik immer häufiger die Notwendigkeit dieser Einrichtungen in Frage stellt. Nur die staatlich verantworteten Kultureinrichtungen garantieren breites Angebot, Qualität, freiere allgemeine Zugangsmöglichkeit, Raum für Experimentelles, Angebote für finanziell Schwache und für den Nachwuchs. Nur sie garantieren kulturelle Vielfalt. Kulturelle Vielfalt sollte für uns einen ebenso hohen Rang haben wie die Biodiversität der Natur. Die staatlich verantworteten Kulturinstitutionen sind der einzige Garant gegen die Gleichmachungstendenzen der Globalisierung und gegen sich ausbreitende hohle Kommerzialisierungen. Wir verfolgen andererseits mit großem Interesse alle innovativen Aktivitäten der Kulturinstitutionen, alle Bemühungen, die Praxis neu zu denken, Verkrustungen aufzubrechen, inhaltliche, methodische und strukturelle Innovationen einzuleiten. Dabei empfehlen wir den großen Kultureinrichtungen mit größtem Nachdruck, sich der Nachwuchsarbeit wesentlich engagierter zuzuwenden als bisher. Die Erziehung zur Kunst ist in den Schulen marginalisiert worden. Sollen anspruchsvolle Kunst und kulturelle Tradition im Leben der Menschen zukünftig noch eine Rolle spielen, müssen alle, die hier Verantwortung haben, eingreifen. Kunst und Nachwuchsarbeit sollten in allen Kulturinstitutionen Hand in Hand gehen! Nachwuchsarbeit muss als zweite Aufgabe praktiziert werden. Der notwendige Diskurs darüber ist allerdings auch unter Freunden bzw. Mitgliedern nicht immer leicht zu führen. Immer katastrophaler wird die Mittelausstattung für die Basis, ich meine den Haushaltstitel "Sonstige Musikpflege" bei der Kulturbehörde. Dieser Titel ist vorgesehen für alle Chöre, Orchester, Bands und Instrumentalgruppen des Amateurbereichs, für die Nachwuchsförderung, für die freien professionellen Gruppen, für die Szeneclubs, die Projekte der Neuen Musik, für die Förderung semiprofessioneller Musikerinnen und Musiker, die Musikvereine, für die Einladungen an auswärtige Künstler, für Jubiläen, für die "musikalischen Gesellschaften", kurz: für all die Musik, die es in Hamburg außerhalb von Staatsoper und Musikhalle sonst noch gibt. Keine 450.000 € stehen dafür insgesamt zur Verfügung, nur noch 200.000 € für flexibel einsetzbare Projektmittel, und zwar 100.000 € für die E-Musik und 100.000 € für die Populäre Musik. Mehr nicht. Der regierende Senat hat die Praxis der früheren Senate, diesen Titel als Sparkonto zu nutzen, falls es bei der professionellen Musik irgendwo Geldsorgen gibt, leider fortgeführt. Dem Musikleben der Stadt ist längst der Boden entzogen. Nur noch 0,4 % der Hamburger wirken in Musikvereinen mit. In Baden-Württemberg z.B. sind es 5,8%, in Rheinland-Pfalz 4,4%. Haben Kulturpolitik und Medien sich bisher fast nur für die staatlich verantwortete Kultur interessiert, für die Profikultur, so gibt es jetzt Dank Frau Dr. Horáková immerhin den neuen Schwerpunkt "Kinder- und Jugendkultur". Das haben wir lange gefordert, darüber freuen wir uns! Bisher wurde dafür aber leider noch kein neues Geld zur Verfügung gestellt. Die KinderKulturZeitung im Hamburger Abendblatt ist entstanden. Das ist das erste realisierte Projekt dieser Politik und zweifellos ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Finanziert wird sie leider, indem man anderen, die auch für den Musiknachwuchs wirken, die Zuwendung gestrichen hat. So z.B. dem vitalen Frauenmusikzentrum, das fast die Arbeit einstellen musste und sich seitdem mit einer Minimalförderung durch die Kulturbehörde herumschlagen muss. Die Neue Musik liegt einem Landesmusikrat naturgemäß besonders am Herzen. Unsere besondere Aufmerksamkeit gehört dem Bereich, wo der schöpferische Faden der Musik weitergesponnen wird. Wir stellen fest, dass die Neue Musik ihr Publikum fast verloren hat. Mit Verständnislosigkeit betrachten wir deshalb die Musikpolitik der Kulturbehörde, die den dezentralen Veranstaltungen der Neuen Musik mit dieser Legislaturperiode fast alle Mittel entzogen hat. Viele Projekte können nicht mehr stattfinden. Das kann ja nicht die Lösung des Problems sein. Können wir uns da nicht mal zusammen setzen und Konzepte ausdenken? Mit Sorge betrachten wir die Entwicklung beim Hamburger Musikfest, das der Neuen Musik gewidmet ist und nun wohl zum 2. Mal eingestellt wird. Bereits zum 4. Mal veranstaltet der Landesmusikrat deshalb, unterstützt vor allem von Kulturbehörde, Bildungsbehörde und Kulturstiftung, unser Erfolgsprojekt "Response - Eine Reise in die Musik des 21. Jahrhunderts", bei dem wir Komponistinnen und Komponisten in die Schulen schicken. Wir engagieren uns auch für ein Gelingen der Anbindung des Ensemble Resonanz in Hamburg. Das Ensemble Resonanz hat das Zeug, ein Katalysator für Neue Musik und ein Markenzeichen dieser Stadt zu werden. Die neue Hamburger Lehrerarbeitszeitverordnung an Hamburgs staatlichen Schulen begrüßen wir grundsätzlich. Endlich wird gesehen, was Lehrerinnen und Lehrer außerhalb der Unterrichtsstunden sonst noch leisten. Aber die Arbeitszeitverordnung hat große Mängel. Die Situation des Musikunterrichts in den Hamburger Schulen hat sich damit erheblich verschlechtert. Hunderte von Schulkonzerten, Musik-AGs, Musikfreizeiten fallen seit diesem Schuljahr weg. Selbst Weihnachtskonzerte und Weihnachtsfeiern! Mit Beginn des laufenden Schuljahrs wurde in den Hamburger Schulen reihenweise Musik vernichtet. Es ist uns gelungen, endlich eine sachliche Berichterstattung darüber in die Medien zu bringen. Wir fordern die Politik auf, hier unverzüglich nachzubessern. Zur Populären Musik. Besonderes Augenmerk richten wir auch auf die Popularmusik bzw. Populäre Musik. Was sind die Gewinne und die Verluste, die der Siegeszug der Populären Musik bewirkt? Kann und sollte die Spaltung in E und U überwunden werden? Sollten, können E-Musik und U-Musik nicht voneinander lernen? Wie kann die Förderung der Populären Musik in Hamburg verbessert werden? Gibt es Chancen, das Clubsterben zu beenden? Gibt es in Hamburg eine Möglichkeit für ein Popmusikmuseum? Der Landesmusikrat hat längst das Konzept für ein PopCultMuseum vorgelegt. Der Bundespräsident Johannes Rau hat am 8.9.03 in Berlin die "musikalische Versteppung" in Familien und Kindergärten angeprangert, er hat beklagt, dass schulischer und außerschulischer Musikunterricht in Deutschland sich zurzeit dramatisch verringern. Selbst der Inhaber des höchsten Staatsamts greift mittlerweile die wachsenden Defizite bei der Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit Musikunterricht auf. Bereits am 14.9.2002 hat der Landesmusikrat deshalb das "Hamburger Bündnis für Musikunterricht" gegründet. Damit wollen wir den öffentlichen Diskurs über die Notwendigkeit von Musikunterricht anregen, denn nur Themen, die öffentlich behandelt werden, greift die Politik auf. Damit hoffen wir die Vernetzung aller in Hamburg für die Musik Zuständigen zu erreichen, hoffen auf gegenseitige Anregungen, Synergien, Innovationen. Wie können wir die musikalische Bildung fördern? Was können wir tun, damit die Musik im Elternhaus, in den Kindergärten und in den Schulen nicht verschwindet? Noch nie hatten wir für den Musikunterricht und das praktische Musizieren so gute, wissenschaftlich belegte Argumente wie heute. Wie können wir diese nutzen? Durch den Ausbau der Ganztagsschulen wird unser Bildungsgefüge gewaltige Veränderungen erfahren. Was wird mit der Musik in der neuen Ganztagsschule? Bekommen wir "französische Verhältnisse", d.h. verschwindet in Deutschland das Liebhabermusizieren? Haben die politisch Verantwortlichen denn die Gefahr überhaupt schon erkannt? Zwischenbilanz.Musikunterricht ist ein öffentliches Thema geworden. Nicht nur in Hamburg. Erstmalig gab es Anträge zum Musikunterricht in der Hamburger Bürgerschaft. Die Regierungskoalition brachte den Antrag zur Musikalischen Breitenbildung ein. Der Senat wurde einstimmig aufgefordert, dafür aktiv zu werden. Die Opposition legte eine Große Anfrage zur musikalischen Bildung auf den Tisch. In der Antwort des Senats wurden aber einige Verbesserungen beim Musikunterricht in den Schulen angekündigt, so dass die Anfrage nicht ganz erfolglos war. Wenn das Niveau der Diskussionen im Parlament aus Anlass dieser Anträge uns gelegentlich auch entsetzt hat, so stellten die Senatsvertreter immerhin öffentlich fest, dass Musikunterricht in Hamburg einen hohen Stellenwert haben soll, und das Parlament war sich einstimmig einig, dass die Frühförderung in Musik intensiviert werden soll. Wir werden die Politik, den Senat beim Wort nehmen. Wir sind auch gern bereit, mitzuhelfen. Das Thema Musikunterricht erscheint in den letzten Monaten jetzt immer häufiger in den Medien. Im Hamburger Abendblatt erschien im Sommer sogar die bereits genannte längere Artikelserie zum Thema. Sie hat einiges in Gang gesetzt. Die Reaktionen aus der Bevölkerung auf diese Artikelserie sind überwältigend. Mein Eindruck: Es gibt eine riesige Szene von Menschen, denen der Musikunterricht sehr wichtig ist. Diese Gruppe ist aber traditionell unsichtbar. Die Aktivitäten des Landesmusikrats, des Bündnisses bringen diese Szene ans Licht und zur Äußerung. Die Bündnis-Idee hat auch andere angesteckt. Es gibt mittlerweile weitere Bündnisse für Musikunterricht, so in Schleswig-Holstein, in Hessen und in NRW. In Rheinland-Pfalz ist eines in Vorbereitung. Das neue Präsidium des neuen Deutschen Musikrats konnte das Thema inzwischen auch aufgreifen und hat am 8.9.03 in Berlin einen Kongress zum Thema durchgeführt. Der Bundespräsident veranstaltete am 9.9.03 im Schloss Bellevue in Berlin sein Fest "Musik für Kinder". Mitarbeiterinnen aus seinem Arbeitsstab haben darauf hingewiesen, dass das Hamburger Bündnis mit Anregung gegeben hat. Wir haben eine Initiative ergriffen, damit die Musik beim Aufbau der Ganztagsschulen nicht vergessen wird. Hier drohen Verluste, hier muss dringend entgegen gesteuert werden. Wir meinen im Gegenteil, dass der Aufbau der Ganztagsschulen die historische Chance ist, die bereits von Kestenberg und Jöde in der zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts angeregte Verschmelzung vom Musikunterricht der Schulen und Musikschulen endlich zu realisieren. Es könnte ein ganz neues, besseres Bildungskonzept gehen, eben das Ganztagsschulkonzept. Mit einzubinden sind allerdings auch viele anderen außerschulischen Musikanbieter der Stadt. Deshalb haben wir bei der Gründung der LAG, der Landesarbeitsgemeinschaft für Kinderkultur, Jugendkultur und Kulturpädagogik mitgewirkt, um den Musikunterricht der Schulen durch Vernetzung mit dieser kostbaren Szene zu ergänzen und zu bereichern. Unsere Empfehlungen zum Thema "Ganztagsschule und Musik" werden mittlerweile auch von anderen Bundesländern nachgefragt. Da der "Brückenschlag" zwischen den Bildungszielen der Schule und dem Bildungshorizont der Schülerinnen und Schüler immer schwieriger wird, weil die Jugend den Kontakt zu unserer musikalischen Tradition, zu unserer Hochkultur verliert, hatte der Landesmusikrat bereits vor 2 Jahren zu einem "Runden Tisch" eingeladen. Vertreter der Staatsoper und der Berufsorchester trafen sich mit Musiklehrerinnen und Musiklehrern, um Wege zu diskutieren, wie die Jugend wieder stärker für Opern und Sinfoniekonzerte interessiert werden kann. In zwei Workshops mit auswärtigen Referenten (gefördert von der Kulturbehörde) wurde die erfolgreiche Praxis anderer Opernhäuser und Orchester betrachtet. Daraus ergaben sich nachweislich Impulse für die Orchesterpädagogik in Hamburg. Die drei Sinfonieorchester der Stadt veranstalten mehr Schulprojekte als früher. John Neumeier war mit Mitgliedern seiner Ballett-Kompanie wochenlang in einer Harburger Grundschule. Staatsoper und Jugendmusikschule bereiten ein gemeinsames Kinderopernstudio vor. Sowohl in der Kulturbehörde als auch in der Bildungsbehörde gibt es jetzt Beauftragte. Dem Bürgerschaftsantrag zur Musikalischen Breitenbildung folgend planen wir z.Zt. zusammen mit der Vereinigung der Hamburger Kindertagesstätten, zu der immerhin 174 KiTas gehören, ein Fortbildungsprogramm für die Erzieherinnen und Erzieher. Wir wollen mithelfen, die musikalische Frühförderung in Hamburg zu intensivieren. Die Erzieherinnen in den KiTas sollen täglich mit den Kindern singen, musizieren und tanzen. Wir wollen mit der Vereinigung zusammen eine schriftliche Empfehlung für das tägliche Musizieren in den KiTas ausarbeiten und verteilen. Kinderkonzerte und andere Musikprojekte sollen das Angebot ergänzen. Meine wichtigste und schönste Nachricht heute:Landesmusikrat, Hamburger Konservatorium und Staatl. Jugendmusikschule initiieren jetzt die Landesmusikakademie Hamburg. Wir starten eine Fort- und Weiterbildungsinitiative für die Instrumental- und Gesangspädagogen der Stadt. Andere Kooperationspartner sollen folgen. Es wird zunächst eine mobile Akademie sein, ohne eigenes Haus. Sie wird dort sein, wo sie arbeitet. Aber sie wird wirken! Konkret vernetzen wir unsere Fortbildungsabteilungen. Wir fordern dafür keine zusätzlichen Finanzmittel, wir vernetzen die Mittel, die wir haben. Wir vernetzen außerdem unser Know-how, erarbeiten ein gemeinsames Fortbildungskonzept. 35 Fortbildungsveranstaltungen sind bereits für 2004 in Vorbereitung, dazu gehören allein 14 intensive Wochenendworkshops. Schwerpunkte sind die Themen Gruppenunterricht, Musik in der Ganztagsschule, Klassenmusizieren und frühinstrumentaler Unterricht. Eine Baukastensystem der fortlaufenden Weiterqualifizierung mit abschließendem Zertifikat ist in Vorbereitung. Diese Landesmusikakademie Hamburg wird nicht nur für die Lehrkräfte der Jugendmusikschule und des Konservatoriums da sein, sondern auch für die Privatmusikerzieher der Stadt. Gewinner werden die Hamburger Kinder und Jugendlichen sein! Soweit zum "Hamburger Bündnis für Musikunterricht" und seinen bisherigen Ergebnissen. Schluss.Ich danke Ihnen, den Mitgliedern, die Sie durch Ihr Engagement bewirken, dass es den LMR und sein Wirken gibt, ich danke der Kulturbehörde, unserer wichtigsten Förderin, ich danke unseren Freunden und Förderern des Privat-Public-Partnership, ich danke noch einmal Ihnen, Herr Prof. Dr. Krützfeldt, ich danke den Kolleginnen und Kollegen, die in den abgelaufenen 25 Jahren im Präsidium gearbeitet haben und ich bedanke mich ganz besonders bei unserer Geschäftsführerin seit 1991, Frau Ute Hermann! Frau Hermann, Sie sind das Rückgrat des Landesmusikrats! Meine Damen und Herren, unterstützen Sie Ihren Landesmusikrat auch in Zukunft, stärken Sie die Wirkung dieses bürgerschaftlichen Engagements für die Musik und die Gesellschaft! Mehr Musik schafft menschlichere Menschen und ein menschlicheres Zusammenleben! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! |
Große Anfrage der SPD – Antworten des Senats
(Jg) Die Antworten des Senats auf die Große Anfrage der SPD vom 11. 4. 2003 zur Situation des Musikunterrichts, der musikalischen Bildung und Ausbildung in Hamburg sind hier als pdf-Datei (195 KB) herunterzuladen.
Hamburger Bündnis für Musikunterricht
Der Text des Aufrufs vom 14. 9. 2002 kann hier als pdf-Datei (141 KB) heruntergeladen werden.
Schulpolitik und Musikunterricht – 1. 12. 2003 18:00
(Jg) Am Montag, dem 1. 12. 2003, um 18:00 findet im Wilhelm-Gymnasium (Klosterstieg 17) eine Informationsveranstaltung statt, bei der Jürgen Kreffter, Fachreferent für Musik in der BBS, über aktuelle schulpolitische Entwicklungen und ihre Auswirkungen für den Musikunterricht sprechen wird. U. a. wird er über die neuen Bildungspläne für die Sekundarstufe II und über den Diskussionstand zum Zentralabitur informieren.
Vorstandswahlen – 1. 12. 2003 19:00
(Jg) Am Montag, dem 1. 12. 2003, um 19:00 findet im Wilhelm-Gymnasium (Klosterstieg 17) die jährliche Mitgliederversammlung des vds-Landesverbands Hamburg statt, zu der die Mitglieder schriftlich eingeladen worden sind. Auf der Tagesordnung steht vor allem die Neuwahl des Landesvorstands.
Erklärung Hamburger Musiklehrer zum Arbeitszeitmodell
(Jg) Am 18. 9. 2003 hat eine Versammlung Hamburger Musiklehrer im Helene-Lange-Gymnasium, bei der 32 Schulen vertreten waren, einstimmig eine "Erklärung der Versammlung Hamburger Musiklehrer (18. 9. 03)" verabschiedet. Bei der gleichen Versammlung wurde mit Hilfe eines Fragebogens ermittelt, wie viele der musikalischen Veranstaltungen, die von den anwesenden Musiklehrern bis zum vergangenen Schuljahr regelmäßig durchgeführt worden sind, im laufenden Schuljahr voraussichtlich nicht mehr stattfinden werden. Die hierbei erhobenen Daten sind inzwischen ausgewertet worden. Die nächste Versammlung Hamburger Musiklehrer zum Arbeitszeitmodell wird am 24. 11. um 18.00 Uhr im Wilhelm-Gymnasium stattfinden.
Erklärung der Versammlung Hamburger Musiklehrer
"Wenn wir Kindern die Chance nehmen, selber zu musizieren und sich musikalisch zu bilden, berauben wir sie sehenden Auges um eine wesentliche Möglichkeit ihres Lebens." (Bundespräsident Johannes Rau - SZ 09.09.03) Erklärung der Versammlung Hamburger Musiklehrer 18.09.03 Die neue Lehrkräfte-Arbeitszeit-Verordnung (LAV) zeigt ihre Wirkung in den Hamburger Schulen. Im laufenden Schuljahr 2003/04 werden jetzt die Folgen auch für das Fach Musik sehr deutlich: Wir Musiklehrer stellen massive Verschlechterungen für die Unterrichtsqualität und für die Ausbildung der Schüler fest. In großer Sorge um unser Fach weisen wir darauf hin,
Wir Hamburger Musiklehrer fordern daher:
Wenn weiterhin Interesse an einer blühenden Schulkultur mit Konzerten und musikalischen Auftritten sowie einer überregionalen Präsenz Hamburger Schulmusik besteht, dann müssen die klassen- und jahrgangsübergreifenden Musikgruppen explizit anerkannt und in der Zuweisung jahresübergreifender Schulstunden verlässlich angegeben werden.
Wenn die LAV ein Modell sein soll, das alle Tätigkeiten Hamburger Lehrer umfasst, muss dieses sowohl für alle Proben und alle organisatorischen Tätigkeiten als auch für Aufführungen und Konzerte gelten. Die Stundenzuweisungen müssen transparent, gerecht und für Schulleitungen und Fachkollegien verbindlich und jahresübergreifend verlässlich sein . Die Bereitstellung eines zusätzlichen Stundenpools für Proben, Konzerte, Aufführungen, Projekte und Reisen, ist ebenso dringend notwendig. Sollten die Bedingungen der LAV für den Musikunterricht unverändert bestehen bleiben, ist eine qualifizierte Musikerziehung und -ausübung an Hamburger Schulen nicht mehr möglich. Um die ästhetische Bildung der Hamburger Schülerinnen und Schüler machen wir uns große Sorgen. Versammlung Hamburger Musiklehrerinnen und Musiklehrer Hamburg, am 18.09.2003 |
Auswertung einer Umfrage auf der Versammlung Hamburger Musiklehrer
am 18. 9. 2003
Bei dem hier dokumentierten Ausfall musikalischer Veranstaltungen handelt es sich nicht etwa um eine Kampfaktion der Musiklehrer/innen (die 1. Versammlung Hamburger Musiklehrer hat am 2. 6. 2003 beschlossen, auch weiterhin musikalische Veranstaltungen außerhalb der Unterrichtszeit durchzuführen, soweit sie auf das Jahresstundenkonto angerechnet werden; würden die Musiklehrer grundsätzlich außerunterrichtliche Aktivitäten verweigern, so wäre die Zahl der ausfallenden Veranstaltungen vermutlich um ein Vielfaches höher). Vielmehr handelt es sich um Musikveranstaltungen, die in der Lehrkräftearbeitszeitverordnung nicht vorgesehen sind und daher ausfallen müssen. Instrumental- und Chor-AGs: 12 Streichungen. Chor (90-min.), Gospelchor-Projekt mit der JMS (90-min.), Chor-AGs, Chor-Ensemble, Orchester-AGs, Instrumental-AGs, Oberstufen- u. Mittelstufen-Bands. Bemerkung: an vielen Schulen finden keine AGs mehr statt bzw. können keine mehr gegründet werden. Konzerte: 57 Streichungen. Weihnachtskonzerte 2003, große Schulkonzerte, Kammerkonzerte, offenes Singen, Frühjahrs- und Sommerkonzerte, Musik zum Jahresbeginn und -abschluss, Talentschuppen, Rockkonzerte, Einschulungs- und Abiturkonzerte, Schulfest-Auftritte mit Schülergruppen, Jubiläumskonzert, Stadtteil-Kulturfest, Wettbewerbs-Fest, Auftritte an Tagen der offenen Tür. Bemerkung: an vielen Schulen Reduzierung der Konzerte um bis zu 80 Prozent. Klassen-, Kurskonzerte und Elternabende mit Musik: 35 Streichungen. Elternabende mit musikalischen Aufführungen sowie Klassen- und Kursdarbietungen in der Schule vor Schüler/innen und Eltern. Musikprojekte: 71 Streichungen. Workshops und Trainings, musikalische und fächerübergreifende Projekte, Musiktheaterstücke und Musicals, Musikprojekte mit Profimusikern, Musikprojekte mit Institutionen, Rundfunk und Fernsehen, Kinderliedfest mit Hamburger Liedermachern, Produktionen von Tonträgern und (Schul)-CDs. Auftritte außerhalb der Schule: 61 Streichungen. Chorauftritte, in der Musikhalle, in Altenheimen und anderen sozialen Einrichtungen, beim Gospelfestival im Michel, im Rahmen der Wandsbeker Gospelnight und der Hamburger Polizeishow. Außerschulische Auftritte des Schulorchesters und der Big Band, des Jazzchors, der Schulbands, der Flötengruppe, der Steelband. Begegnungskonzerte und Kinderchorbegegnungen, Teilnahme an "Hamburger Schulen musizieren" und "Kinder singen für Kinder". Reisen und Freizeiten: 24 Streichungen. Chorreisen im Inland und ins Ausland, Reisen mit dem Orchester und anderen Musikgruppen. Orchester- und Chorfreizeiten, Musik-Workshops außerhalb Hamburgs, Jugend-Musiktreffen im Ausland und Musik-Schüleraustausche mit anderen Ländern. Wettbewerbe: 24 Streichungen. Teilnahme an Schüler/innen-Wettbewerben wie "Jugend musiziert", "Jugend rockt", "Jugend jazzt", "Liederwettbewerb der Hamburger Polizeiverkehrslehrer", "Texte treffen Töne", "Emerganza" und "Schoolbandbattle". Ergebnis: an 32 Hamburger Schulen finden in diesem laufenden Schuljahr 284 MUSIK-AKTIVITÄTEN nicht mehr oder nur sehr begrenzt statt. Diese Aufzählung bezieht sich auf 32 Hamburger Schulen. Die Hochrechnung auf alle Hamburger Schulen lässt das Ausmaß der Veränderungen durch die LAV erahnen. |
Bibliothek der Beratungsstelle Musik des IfL aufgelöst
(Jg) Wegen Personalmangels ist mit Ende des Schuljahres 2002/03 die Bibliothek des Beratungsfeldes Musik im Landesinstitut für Lehrerbildung (früher: Beratungsstelle für Schul- und Jugendmusik des IfL, Hartsprung 23) aufgelöst worden. Ein größerer Teil der Bestände ist in Zukunft in der Lehrerbücherei (Felix-Dahn-Straße) einzusehen und auszuleihen, kleine Teile werden demnächst in den Bibliotheken der Musikhochschule und des Fachbereichs Erziehungswissenschaft der Universität aufgestellt, der größte Teil wandert ins Archiv. Damit hat Hamburg seine vollständigste Sammlung von Schulbüchern für den Musikunterricht verloren.
Rosemarie Arnold verabschiedet
(Jg) Mit einem rauschenden Überraschungsfest im Theatersaal des IfL-Hartsprung ist am 3. 7. 2003 Rosemarie Arnold, die langjährige Leiterin der Beratungsstelle für Schul- und Jugendmusik des IfL, in den (Un-)Ruhestand verabschiedet worden. (Eine ausführliche Würdigung folgt demnächst.)
Beschluss der Versammlung Hamburger MusiklehrerInnen (2. 6. 2003) zum neuen Arbeitszeitmodell
Die am 2. 6. 2003 in der Gesamtschule Horn versammelten über 100 Hamburger MusiklehrerInnen lehnen das vorliegende Arbeitszeitmodell (AZM) ab.
Begründung:
- Das AZM ist eine Sparmaßnahme auf Kosten der Qualität unserer musikpädagogischen Arbeit. Es wird somit gegen die Interessen aller SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen unserer Stadt durchgesetzt. Es ignoriert die Erkenntnisse der Lernforschung und handelt sämtlichen Untersuchungen zum Sinn und Nutzen einer fundierten musikalisch-ästhetischen Bildung zuwider (Bastian, Weber u.a.)
- Das AZM diskriminiert unsere bisherige Arbeit und wird wichtige Elemente musikalisch-ästhetischer Erziehung behindern oder unmöglich machen.
- Das AZM beschreibt die Arbeit von MusiklehrerInnen aller Schulformen nicht als ganzheitliche Tätigkeit, sondern wertet einzelne Teilbereiche durch eine unbegründete, völlig realitätsferne Faktorisierung und durch Verlagerung in einen schülerzahlabhängigen F-Bereich ab. Wichtige Arbeitsbereiche werden unterschlagen, offenbar aus Unkenntnis unserer bisherigen musikpädagogischen Arbeit oder mangelnder Einsicht in die Notwendigkeit dieser Tätigkeiten.
- Das AZM benachteiligt die MusiklehrerInnen, indem es deren bisherige, größtenteils auf freiwilligem Engagement beruhenden Tätigkeiten durch die erneute Erhöhung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung über jedes zumutbare Limit hinaus wachsen lässt.
- Das AZM berücksichtigt die neben dem Unterricht notwendigen Tätigkeiten aller MusiklehrerInnen in keinem oder viel zu geringem Umfang. Kein Vorschlag der BBS (Anrechnung von Vertretungsstunden, von F-Stunden, des Stundenkontos) zur Entlastung der MusikkollegInnen entspricht dem tatsächlichen Arbeitsaufwand im Schulalltag (siehe Anlage). Der unterstellte geringere Zeitaufwand für Korrekturen im Vergleich zu sogenannten Korrekturfächern gleicht nicht im Mindesten den Arbeitsaufwand aus, der durch außerunterrichtliche musikpädagogische Aufgaben entsteht.
- Das AZM berücksichtigt in keiner Weise freiwillige, kreative, innovative und unbürokratische Organisations- und Arbeitsmethoden der MusiklehrerInnen, die sich aus unserem Bildungsauftrag und unserem Berufsbild ergeben. Vielmehr zwingt es in Zukunft zu unannehmbaren Formen von Bürokratisierung, die dem Wesen musikalisch-ästhetischer Bildung zutiefst widersprechen.
Die Versammlung der Hamburger MusiklehrerInnen aller Schulformen empfiehlt allen Hamburger Musik-KollegInnen, wie folgt auf das neue Arbeitszeitmodell zu reagieren, sollte es ab dem neuen Schuljahr zur Durchführung gelangen.
Empfehlungen:
Alle MusiklehrerInnen erfüllen ihre Aufgaben ausschließlich im Rahmen der vom Arbeitszeitmodell dafür vorgesehenen Arbeitszeit. Das bedeutet:
- Alle Funktionsaufgaben wie Fachvertretung, Sammlungsleitung und Koordination sowie Konferenzteilnahme werden ausschließlich im Rahmen der dafür vorgesehenen Arbeitszeit erfüllt.
- Arbeitsgruppen, Projektgruppen, Neigungsgruppen usw. finden nur statt, wenn die erforderliche Arbeitszeit angerechnet wird.
- Konzerte, Projektwochen, Musikfreizeiten, Musikreisen, Schüler-, Orchester-, Chorreisen und -austausche sowie Musikveranstaltungen aller Art finden nicht oder nur statt, wenn die erforderliche Arbeitszeit angerechnet wird.
- Die vorgegebene durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 46,57 Stunden wird nicht überschritten.
Die Versammlung der Hamburger MusiklehrerInnen würde eine den obigen Empfehlungen entsprechende Entwicklung bedauern.
Anlage:
Berechnung der durchschnittlichen Netto-Minimal-Arbeitszeit von MusiklehrerInnen
Berechnung der durchschnittlichen Netto-Minimal-Arbeitszeit von MusiklehrerInnen (ohne Proben, Projekte und Konzerte)
11 Kurse à 20 S Sek I, 1 Kurs à 10 S Sek II = 230 Schüler/innen
| Unterricht: 24 Stunden à 45 Min. | 18,00 |
| Vertretung 1x in 3 Wochen | 0,15 |
| Vor-, Nachbereitung 15 Min. pro Stunde | 6,00 |
| 24,15 | |
| Vorbereitung und Korrektur Klausuren, Tests 11 Kurse Sek I, 20 S à 5 Min. = 100 Min. pro Test 11x4 pro Jahr x 100 Min. = 44x100 Min. : 38 Wochen | 1,55 |
| 1 Kurs Sek II, 10 S à 10 Min. = 100 Min. pro Klausur 1x4 pro Jahr x 100 Min. = 4x100 Min. : 38 Wochen | 0,10 |
| Hausaufgaben-Korrektur pro Woche 2 Kurse, 40 S x 3 Min. =120 Min. pro Woche | 2,00 |
| 4,05 | |
| Post, Mail, Mitteilungen, Fax, Briefe usw. pro Tag 15 Min. | 1,15 |
| Telefon Eltern, KollegInnen, SchülerInnen, Behörden usw. pro Tag 15 Min. | 1,15 |
| 3,30 | |
| Aufsichten 3x20 Min. | 1,00 |
| Kopieren 5 Tage à 10 Min. | 0,50 |
| Wege zw. Gebäuden etc. 2x10 Min. | 0,20 |
| 2,10 | |
| Konferenzen, Gesamt-, Fach-, Abteilungs-, Elternausschüsse usw. pro Woche 1 à 90 Min. | 1,30 |
| Elternabende, pro Hj. 2 à 90 Min. = 360 Min. : 38 Wochen Gespräche, Beratung Schüler/Eltern pro Tag 10 Min. | 0,12 |
| Gespräche, pädagogische und fachliche mit KollegInnen pro Tag 20 Min. | 1,40 |
| Zensuren, Kommentare, Beratung, Einzelgespräche, Eintragungen pro S 1 Min. x 2 Hj. = 460 Min. : 38 Wochen | 0,12 |
| 4,32 | |
| Sammlung, Wartung, Reparatur, Beschaffung, Tonstudio usw. pro Tag 15 Min. | 1,15 |
| U-Material, Beschaffung, CDs, Literatur, UEs usw. pro Woche 1 Stunde | 1,00 |
| Fortbildung, IfL, Kongresse, Tagungen usw. 5 Tage à 8 Stunden = 2400 Min. : 38 Wochen | 1,03 |
| 3,18 | |
| Arrangements, Komposition, Texten, Noten, Partituren usw. pro Tag 30 Min. | 2,30 |
| PC-Arbeit, Brennen, Playbacks, Übungs-CDs, Lay-Outs, Drucken Pro Tag 30 Min. | 2,30 |
| Üben, Training, Hören, Lesen pro Tag 10 Min. | 0,50 |
| 5,50 | |
| Gesamt-Arbeitszeit pro Woche ohne Konzerte, Projekte, Proben usw. | 47 Stunden, 40 Min. |
Zusätzliche außerunterrichtliche Arbeiten von MusiklehrerInnen Aufwand pro Jahr:
(in Stunden)
| Weihnachtskonzerte, Jahreskonzerte, sonstige Konzerte, | _____ |
| Feste, Schulfeste, Abteilungs-, Stufenfeste, Jubiläen, | _____ |
| Einschulungsveranstaltungen, | _____ |
| Abschlussveranstaltungen Kl.10, Abitur, | _____ |
| Elternabende mit Musik, | _____ |
| Klassenkonzerte, | _____ |
| Außerschulische Musikveranstaltungen mit Schulgruppen, | _____ |
| Fächerübergreifende Musikprojekte, | _____ |
| Jugend Musiziert, Jugend Rockt, Jugend Jazzt, | _____ |
| Weitere Wettbewerbe, | _____ |
| Musikalischer Jugendaustausch, Städte-, Länderaustausch, Partnerschaften, | _____ |
| Chor-, Orchester-, Musikgruppenreisen, Übungsfreizeiten, | _____ |
| Workshops, Trainings, | _____ |
| Museums-, Konzert, Ausstellungs-, Kinobesuche, | _____ |
| Orchester, Chor, Band, Bigband, Musikgruppen, AGs, Neigungsgruppen, | _____ |
| Proben neben dem Unterricht, abends und in den Ferien, | _____ |
| Proben an anderen Orten, | _____ |
| Transport von Material und SchülerInnen, | _____ |
| Organisation von Proben und Veranstaltungen, | _____ |
| Betreuung/Förderung einzelner SchülerInnen, | _____ |
| Betreuung/Förderung von SolistInnen und Musikgruppen, | _____ |
| Beratung neben dem Unterricht, | _____ |
| Vermittlung von Einzelunterricht, | _____ |
| Betreuung selbständig arbeitender Musikgruppen, | _____ |
| Mitarbeit Schulprofil, Homepage, Schulveröffentlichungen, | _____ |
| Mitarbeit in Verbänden, VDS, AfS, im IfL, in AGs, | _____ |
| Veröffentlichung von Schulmaterial bei Verlagen, im Internet, | _____ |
| Zusammenarbeit mit der JMS und anderen Musikschulen, | _____ |
| Ausbildung von ReferendarInnen, PraktikantInnen, | _____ |
| Beratung von MusikkollegInnen, Hilfestellungen für den MU, | _____ |
| Unterstützung musikalischer Projekte anderer Schulen, | _____ |
| Unterstützung pädagogischer, kultureller, öffentlicher, politischer, sozialer, kirchlicher, | _____ |
| stadtteilkultureller Veranstaltungen und Institutionen, | _____ |
| Wartung und Einrichtung Fachräume, Studios, Übungsräume, | _____ |
| Ausstattung Räume, Ausbau, Erneuerung, Instandsetzung, | _____ |
| Beschaffung Instrumente, CDs, Literatur, UEs, Material, | _____ |
| Reparatur Anlagen und Instrumente, Instrumentenbau, | _____ |
| Koordination, Herstellung von U-Material, Übungsmaterial, Playbacks, | _____ |
| Produktion von Tonträgern, Musik für andere Fachbereiche, | _____ |
| Organisation, Sponsoring, Stiftungen, Finanzen, | _____ |
| Teilnahme an Fortbildung, Trainings, Übungen, Workshops, | _____ |
| SUMME: | _____ |
Entwurf eines Elternbriefes der Fachkonferenzen Musik zum Lehrerarbeitszeitmodell
Vorschlag des VDS-Landesverbandes
Sie können den folgenden Text in eine Textverarbeitung (z. B. Word, Lotus Wordpro) importieren und dort weiter verarbeiten:
- den gewünschten Ausschnitt mit der Maus markieren ("umrahmen")
- dann mit "Strg" und "C" in den Zwischenspeicher kopieren
- dann die Textverarbeitung öffnen
- dann mit "Strg" und "V" den Inhalt des Zwischenspeichers in ein Dokument einfügen
- dann das Dokument unter einem passenden Dateinamen speichern
Gesamtschule / Grundschule / Gymnasium / Hauptschule / Realschule / Sonderschule N.N.
Fachkonferenz Musik
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Eltern,
wir, die Musiklehrer der Schule N.N., wenden uns mit diesem Schreiben an Sie, um Sie über einige Auswirkungen des neuen Lehrerarbeitszeitmodells auf den Musikunterricht und das Musikleben an unserer Schule zu informieren und Sie um Ihre Unterstützung zu bitten, wenn Ihnen im Interesse Ihres Kindes daran gelegen ist, die absehbare Verschlechterung der Qualität schulischer Bildung und musikpädagogischer Arbeit zu verhindern.
Wie Sie wissen, sieht das Lehrerarbeitszeitmodell vor, die Unterrichtszeit der Lehrer entsprechend dem unterschiedlichen Zeitaufwand der verschiedenen Fächer zu gewichten. Da Musik mit einem relativ geringen Zeitfaktor verrechnet wird, werden künftig Fachkollegen deutlich mehr Unterricht geben müssen: Wenn beispielsweise ein Musiklehrer am Gymnasium nach jetziger Regelung wöchentlich 9 Gruppen mit etwa 250 Schülern zu betreuen hat, so könnten das ab 1.8. leicht 12 Gruppen mit bis zu 300 Schülern werden. Und für eine Grundschullehrerin könnte das schnell 4 Unterrichtsstunden mehr bedeuten.
Die Auswirkungen sind absehbar: weniger Aufmerksamkeit und Förderung für den einzelnen Schüler, mehr standardisierte Lernformen und normierte Inhalte anstelle individueller, persönlicher, erlebnis- und erfahrungsorientierter Umgangsweisen mit Musik.
Die im Lehrerarbeitszeitmodell vorgesehenen, äußerst knapp bemessenen Zeiten für die Unterrichtsvorbereitung gefährden vor allem das, was Musikunterricht lebendig und attraktiv macht, was Schüler am meisten interessiert und motiviert und was im Mittelpunkt des Faches steht: das praktische Musizieren. Mit 28 Schülern einer Klasse gemeinsam Musik zu machen, ist mit erheblichem Vorbereitungsaufwand verbunden. Der Lehrer muss zu Hause Musik anhören, geeignete Stücke auswählen und abhören, Titel arrangieren, Partituren und Stimmen schreiben, Noten kopieren und einrichten, Instrumente bereitstellen, Probenabläufe organisieren usw. Da Besetzungen und Voraussetzungen jeder Lerngruppe anders sind, bedeutet Klassenmusizieren ein Höchstmaß an Differenzierung und Individualisierung musikalischen Lernens. Dies alles wird nach dem neuen Arbeitszeitmodell kaum noch leistbar sein, anstelle praktischer Lernangebote droht Kreideunterricht.
Mit besonderer Sorge sehen wir die Auswirkungen auf das Musikleben unserer Schule. Projekte, Präsentationen, Aufführungen und Konzerte, also all das, was Schule nicht nur als Unterrichtsanstalt, sondern als Lebensraum, Ort der Begegnung und Stätte der Kultur auszeichnet und ihr Profil ausmacht, ist durch die Bemessungs- und Verrechnungsmentalität des Lehrerarbeitszeitmodells bedroht, wenn zwar einerseits für Arbeitsgemeinschaften, wie Chor, Orchester, Band u.a., Arbeitszeitwerte angesetzt, diese jedoch aus einem Stundenpool finanziert werden müssen, aus dem zugleich administrative und Funktionsaufgaben und zusätzliche Aktivitäten jeglicher Art abgegolten werden. D.h. Musikgruppen, Musikprojekte, Musikreisen u.a. werden "je nach Haushaltslage", je nach Gutheißen und Wohlwollen der Schulleitung, je nach Interessensausgleich mit anderen Fächern und Kollegen und je nach abrechenbaren Zeitaufwand ermöglicht. Wir empfinden es als Entwertung und Entwürdigung unserer Arbeit, wenn auf diese Weise wesentliche Fachinhalte und Aktivitäten zur Disposition gestellt und zu einem ad libitum Bestandteil von Bildung gemacht werden. Jeder weiß, dass gelungenes Musizieren nur durch persönliches Engagement und bedingungslosen Einsatz aller möglich ist, eben dieser Idealismus droht nun aber durch bürokratische Bewilligungs-, Zuteilungs- und Verrechnungsmodalitäten zunichte gemacht zu werden.
Bitte, helfen Sie mit, dass an unserer Schule weiterhin Musikgruppen und Musikprojekte möglich sind. Helfen Sie mit, dass wir weiterhin Aufführungen und Konzerte wie ........ (Schulveranstaltungen aus der Vergangenheit anführen) durchführen können. Sichern Sie Ihrem Kind nicht nur eine Lern- und Leistungs-, sondern vor allem eine Lebensschule, in der auch Zweckfreies geschieht und in der die Entwicklung aller Anlagen und Kräfte der Kinder und Jugendlichen ausgebildet und gefördert werden. Musizieren gehört dazu! Vertreten Sie dieses Anliegen im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, im Elternrat, im Kreiselternrat, in der Elternkammer, in den Parteiein und Verbänden, in der Öffentlichkeit!
Bedrohlich sieht es nach dem Lehrerarbeitszeitmodell auch für den Bestand des Musikunterrichts auf der Oberstufe aus. Bei Festlegung einer Basisfrequenz von 20,5 Teilnehmern je Kurs ist abzusehen, dass nur noch an ganz wenigen Schulen Grund- oder gar Leistungskurse im Fach Musik zustande kommen. Schon nach den neuen Belegauflagen und Einbringeverpflichtungen für das Abitur ist für Schüler die Wahl künstlerischer Fächer erschwert worden, jetzt droht den Musen in der Studienstufe das völlige Aus.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Eltern, wir schreiben diesen Brief nicht aus persönlichen, fachegoistischen oder standespolitischen Motiven. Wir sind uns unserer politischen Verantwortung wohl bewusst und wollen nicht zu jenen gehören, die durch Jammern in der Öffentlichkeit das gängige Negativbild des Lehrerstandes bestätigen. Wir sehen, dass unser Staat in einer finanziellen Notsituation ist und sind bereit, dazu beizutragen, dass sich dieses ändert. Wir sehen auch durchaus Verbesserungen des Lehrerarbeitszeitmodells gegenüber dem bisherigen Zustand. Wir wehren uns allerdings entschieden dagegen, dass pädagogisches Engagement zur Selbstausbeutung verkommt und pädagogisch Notwendiges und Mögliches durch Fremdbestimmung verhindert wird. Wir möchten vor allem Schaden von Ihren Kindern abwenden, wenn sie in der Schule nicht jene Bildungschancen, Lernmöglichkeiten und Erfahrungsräume bekommen, die ihnen zustehen.
Wir haben unsere Bedenken und Einwände gegen das Lehrerarbeitszeitmodell wiederholt vorgebracht, bisher ergebnislos. Was uns in der Schule nicht möglich ist, können Sie allerdings auf politischem Wege erreichen. Wir bitten Sie, im Interesse Ihrer Kinder initiativ und aktiv zu werden und für den Erhalt einer gehaltvollen musikalischer Bildung in den Schulen zu sorgen. Machen Sie Ihren Einfluss geltend. Setzen Sie sich dafür ein, dass das Lehrerarbeitszeitmodell in seiner jetzigen Form nicht eingeführt wird. Unterstützen Sie unser Anliegen in der Öffentlichkeit! Wir stehen Ihnen zu weiteren Informationen und Gesprächen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
(Diesen Text durch den Klassenlehrer oder im Musikunterricht austeilen und den Empfang durch die Eltern eventuell schriftlich bestätigen lassen)
Musiklehrerversammlung zum Thema „Neues Arbeitszeitmodell für Hamburger LehrerInnen“
Montag 2. Juni 2003 - 17:00 Uhr - Gesamtschule Horn, Rhiemsweg 6, Pausenhalle
Auf dieser Veranstaltung, zu der Jens Everling und Arend Schmidt-Landmeier alle Hamburger MusiklehrerInnen einladen, soll über die Konsequenzen des neuen Arbeitszeitmodells und der damit verbundenen Arbeitszeiterhöhung für den Musikunterricht sowie über mögliche Reaktionen der MusiklehrerInnen beraten werden.
Antrag
BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG Drs. 17 /
17. Wahlperiode
Antrag
der Abg.
Gerd Hardenberg, Katrin Freund, Christian Brandes, Jens Pramann, Karl-Heinz Winkler (Partei Rechtsstaatlicher Offensive) und Fraktion,
Wolfgang Drews (CDU) und Fraktion
Martin Woestmeyer(FDP) und Fraktion
Musikalische Breitenbildung – eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe
Die Ereignisse in Erfurt und andernorts haben gezeigt, dass die Gewaltbereitschaft an deutschen Schulen steigt. An allen Schularten hat die verbale Gewalt und Aggression sowie der Umgang der Kinder miteinander und der Kinder mit Eltern und Lehrkräften in den letzten Jahren massiv zugenommen. Umso wichtiger ist es, diesen Entwicklungen frühzeitig entgegen zu wirken und gleichzeitig jegliche Folgen bzw. Folgekosten für Täter, Opfer und unsere Gesellschaft zu mindern.
Eine intensive Beschäftigung mit Musik und insbesondere das Spielen von Musikinstrumenten fördert nicht nur die Intelligenz und Lernfähigkeit der Kinder, sondern führt auch zu einem ausgewogenen harmonischen Sozialverhalten der Kinder und Jugendlichen.
Dieses wiesen bereits in den 90er Jahren durchgeführte Studien in Los Angeles (zweijährige Studie der Universitäten von Wisconsin und Kalifornien in Vorschulen) und in Berlin (Langzeitstudie des Bundesministeriums für Bildung, Forschung und Wissenschaft an allgemein bildenden Schulen) nach.
Daher kommt heute einer adäquaten Musikerziehung eine weitaus größere Bedeutung für die Gesellschaft zu, als bisher gesehen wurde. Denn in der Vermittlung von Fertigkeiten und Wissen in Musik vollzieht sich zugleich auch nachhaltig die Bildung der Persönlichkeit. Musizieren fördert die Entwicklung der Intelligenz und vermindert die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt gegen Personen und Sachen. Fundierte wissenschaftliche Studien belegen dieses.
Derzeit werden in allgemein bildenden Schulen Grundschulkinder immer noch zu oft im Fach Musik von Pädagogen ohne die dafür vorgesehene Fachausbildung unterrichtet oder das Schulfach Musik entfällt vollständig.
Neuere Entwicklungsforschungen haben die außerordentlich positiven Persönlich-keitsentwicklungen durch musikalisierende Förderung im frühkindlichen Alter von 4 Monaten hervorgehoben. Gegenwärtig mangelt es jedoch an adäquaten Angeboten sowie an entsprechenden Aus- und Fortbildungen von Krippenbetreuer(innen) und Kindergärtner(innen).
Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
I. die Voraussetzungen zu schaffen, dass ungeachtet der sozialen Herkunft,
- Eltern erfahren und erleben können, wie Musik ihr Kind bereits ab dem 4. Lebensmonat in seiner Entwicklung prägen kann,
- jedes Kind den eigenen Umgang mit Musik in der Kinderkrippe, dem Kindergarten und der Vorschule als selbstverständlichen Bestandteil seines täglichen Lebens erfahren kann. Hierzu ist ein Modellprojekt in einem noch zu bestimmenden Hamburger Stadtteil durchzuführen, das von einer wissenschaftlichen Begleitforschung untermauert wird.
- jedes Kind ab dem 7. Lebensjahr bereits in der Grundschule durch das Erlernen und Spielen eines Musikinstrumentes seiner Wahl unter anderem mit den Methoden des KlassenMusizierens emotionale und praktische Erfahrungen im Umgang mit der Musik machen kann.
II. im Rahmen des beschlossenen Haushalts die personellen Voraussetzungen zu schaffen, dass die Kinder von Lehrkräften betreut bzw. unterrichtet werden, die von Pädagogen, professionellen Musikern und Spezialisten für frühkindliche Musikalisierung geschult werden.
III. bei der Finanzierung der Maßnahmen private Sponsoren einzubeziehen.
IV. der Bürgerschaft über die eingeleiteten Maßnahmen und die weitere Vorgehensweise zu berichten.
Pressekonferenz
Gerd Hardenberg, kulturpolitischer Sprecher
Katrin Freund, schulpolitische Sprecherin
Prof. Asmus Hintz, Hochschule für Musik und Theater in Hamburg
sowie Direktor der YAMAHA Academy of Music, Hamburg
Neue Bildungsoffensive "musikalische Breitenbildung" – einzigartig in der Bundesrepublik!
Situation
Derzeit fallen nicht nur in Hamburg, sondern auch bundesweit etwa 80 Prozent der Musikstunden in den Grundschulen aus oder werden fachfremd erteilt. Grund hierfür ist das in den Grundschulen praktizierte Klassenlehrerprinzip, das Vorrang vor dem Fachlehrerprinzip hat. Die Kinder sollen sich auf eine möglichst geringe Zahl von Bezugspersonen konzentrieren. Der Musikunterricht hat sich hierdurch mittlerweile zum Stiefkind im Schullalltag entwickelt.
Gleichzeitig zeigen die Ereignisse in Erfurt und andernorts, dass die Gewaltbereitschaft an deutschen Schulen steigt. An allen Schularten haben verbale Gewalt und Aggressionen beim Umgang der Kinder miteinander sowie der Kinder mit Eltern und Lehrkräften in den letzten Jahren massiv zugenommen.
Forderung:
Diesen Entwicklungen muss entgegengewirkt werden.
Die positiven Auswirkungen auf die Ausprägung sozial harmonischen Verhaltens durch eine frühzeitige intensive Beschäftigung mit Musik und insbesondere durch das Spielen von Musikinstrumenten belegen wissenschaftliche Langzeitstudien (z. B. von Prof. Dr. H.-G. Bastian/Berlin und Dr. G. Shaw/U.S.A) eindeutig.
Bewiesen ist, dass Musizieren folgende Effekte bei den Kindern erzielt:
optimale Entfaltung der kindlichen Anlagen
Förderung der Konzentrations- und Lernfähigkeit
Förderung der Intelligenzen
positive Beeinflussung der gesamten Persönlichkeits-entwicklung
drastische Verringerung von Aggressionen und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen
("…Aktives Musizieren im Ensemble oder solistisch ist mit seinem emotionalisierenden Potential geeignet,
- Konflikte der Jugendlichen zu mildern
- Gefühle der Aggressivität, des Trotzes und der Selbstunsicherheit besser zu bewältigen
- wachsenden Autonomiestreben zu fördern und zu unterstützen…", vgl. Bastian-Studie", Seite 60)
Neue Entwicklungsforschungen haben die außerordentlich positiven Persönlichkeitsentwicklungen durch musikalisierende Förderung im frühkindlichen Alter von bereits vier Monaten hervorgehoben. Es mangelt jedoch an adäquaten Angeboten sowie an entsprechenden Aus- und Fortbildungsangeboten von Krippenbetreuer(innen) und Kinder-gärtner(innen).
Die positiven Auswirkungen der musikalischen Erziehung auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen sind unumstritten. Doch trotz aller Plausibilität und Alltagserfahrung sowie wissenschaftlicher Evidenz mangelte es bisher an konkreten Handlungskonzepten bzw. an dem Willen, diese umzusetzen.
Forderung:
Der Hamburger Senat soll eine bildungspolitische Offensive starten, die zu einer umfassenden Musikalisierung von Kindern und Jugendlichen führt. Er soll
I. die Voraussetzungenschaffen, dass ungeachtet der sozialen Herkunft,
1. Eltern erfahren und erleben können, wie Musik ihr Kind bereits ab dem 4. Lebensmonat in seiner Entwicklung prägen kann,
2. jedes Kind den eigenen Umgang mit Musik in der Kinderkrippe, dem Kindergarten und der Vorschule als selbstverständlichen Bestandteil seines täglichen Lebens erfahren kann. Hierzu ist ein Modellprojekt in einem noch zu bestimmenden Hamburger Stadtteil durchzuführen, das von einer wissenschaftlichen Begleitforschung untermauert wird.
3. jedes Kind ab dem 7. Lebensjahr bereits in der Grundschule durch das Erlernen und Spielen eines Musikinstrumentes seiner Wahl unter anderem mit den Methoden des KlassenMusizierens emotionale und praktische Erfahrungen im Umgang mit der Musik machen kann.
II. im Rahmen des beschlossenen Haushalts die personellen Voraussetzungen zu schaffen, dass die Kinder von Lehrkräften betreut bzw. unterrichtet werden, die von Pädagogen, professionellen Musikern und Spezialisten für frühkindliche Musikalisierung geschult werden.
III. bei der Finanzierung der Maßnahmen private Sponsoren einzubeziehen.
IV. der Bürgerschaft über die eingeleiteten Maßnahmen und die weitere Vorgehensweise zu berichten.
Weitere Gründe, die für die musikalische Bildungsoffensive sprechen:
1. 90-95 Prozent aller Jugendlichen bewerten das Musikhören als wichtigstes Freizeitvergnügen. Was außerhalb der Schule so bedeutungs- und wertvoll ist, dürfen Schul- und Kulturpolitik nicht übersehen bzw. übergehen.
2. Der Schock der PISA-Studie unter Pädagogen und Eltern war groß. Den Ergebnissen der PISA-Studie wurde leider insofern Rechnung getragen, als dass ein Mehr dessen, was nicht funktioniert hat, jetzt verstärkt gefördert wird: mehr Mathematik-, Deutsch- und naturwissenschaftliche Unterrichtsstunden. Der musikerzieherische Bildungsansatz ist jedoch Erfolg ver-sprechender.
3. Hamburg würde der gegenwärtig beklagten Vergreisung und Überalterung des Konzert-Publikums (z. B. bei Konzerten der Hamburger Symphoniker, in der Staatsoper etc.) entgegenwirken und einen Beitrag dazu leisten, dass künstlerischer Nachwuchs und potentielle Kulturkonsumenten das kulturelle Leben unserer Stadt erhalten.
4. Hamburg würde hiermit bundes- bzw. europaweit eine Vorreiterrolle übernehmen und könnte somit wichtige bildungspolitische Zeichen setzen.
Große Anfrage
BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG Drucksache 17/2558
Große Anfrage
der Abgeordneten Britta Ernst, Wilfried Buss, Luisa Fiedler, Dr. Andrea Hilgers, Aydan Özoguz, Karin Rogalski-Beeck, Wolf-Gerhard Wehnert (SPD) und Fraktion
Betr.: Situation des Musikunterrichts, der musikalischen Bildung und Ausbildung in Hamburg
Die Bedeutung einer frühzeitigen Begegnung von Kindern mit künstlerischen Praktiken insbesondere in der Musik ist wissenschaftlich belegt und allgemein anerkannt. Die aktive Beschäftigung mit Musik fördert die allgemeine Persönlichkeitsentwicklung, kräftigt das Selbstwertgefühl, verbessert Kreativität und Disziplin und ermöglicht überdurchschnittliche Gedächtnisleistungen. Wer schon als Kind den Weg zur aktiven Musikausübung findet, wird gestärkt hinsichtlich Ausdauer, Energie, Willenskraft, Stetigkeit und der Bereitschaft zur Selbstkritik (vgl. 16/4995, S. 8). Damit stellen musikalische Bildung und Praxis nicht nur einen Teil europäischer Kulturtradition dar, sie leisten auch einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung sozialer Kompetenzen und der in der PISA-Studie erhobenen problemfeldbezogenen praktischen Handlungsfähigkeit.
In Hamburg obliegt die staatliche Jugendmusikpflege in erster Hand den Schulen mit ihrem für alle Klassenstufen vorgesehenen Musikunterricht. Neben den Pflicht- und Wahlpflichtangeboten ist in den Schulen ein breites Angebot an Chören, Orchestern, Big-Bands, Musikgruppen und Musiktheater-Projekten gewachsen. Damit hat Musik in den Schulen die Funktion, der Nachwuchsentwicklung, ist zugleich aber bereits Teil der gesamtstädtischen Musikkultur und erreicht als solches auch ein außerschulisches Publikum.
Daneben hat sich die Staatliche Jugendmusikschule (JMS) mit ihren alle Hamburger Regionen erreichenden Angeboten einen bundesweit herausragenden Ruf als Ort der musikalischen Nachwuchsförderung verdient. In den vergangenen Jahren wurde die Kooperation zwischen JMS und staatlichen Schulen, insbesondere im Zusammenhang mit der Verlässlichen Halbtagsgrundschule intensiviert.
Hamburg kann auf eine lange Tradition des Musikunterrichtes in seinen öffentlichen Schulen zurückblicken, in deren Verlauf nicht wenige Größen der deutschen Musikgeschichte als Praktiker der Kulturpädagogik in Erscheinung treten. Die aktuelle Lage der musikalischen Nachwuchsförderung ist allerdings durch nachlassendes Interesse junger Menschen am Musizieren gekennzeichnet; dies betrifft insbesondere den Bereich der klassischen Musik.
Dies vorausgeschickt, fragen wir den Senat:
1. Bedeutung des Musikunterrichtes
Die Behörde für Bildung und Sport hat zusätzliche Unterrichtsstunden für Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen vorgesehen. Mit Blick auf einige "Siegerländer" der PISA-Studie, z.B. Finnland, aber vor allen Dingen mit Blick auf übereinstimmende Meinungen der meisten Bildungsexpertinnen und -experten ist nicht nur zusätzliches Engagement für die "Hauptfächer" wünschenswert sondern im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung auch für die ästhetischen Fächer (Musik, Bildende Kunst, Darstellendes Spiel etc.).
Demgegenüber spielt in der öffentlichen Debatte über Schlussfolgerungen aus der PISA-Studie in der Bundesrepublik Deutschland die ästhetische Bildung eine nachrangige Rolle. Auch in den bisherigen Maßnahmen des derzeitigen Senates konnte eine besondere Gewichtung der ästhetischen Bildung nicht erkannt werden, stattdessen geht die Einführung des achtstufigen Gymnasiums mit einer Schwächung der Rolle des Musikunterrichtes einher.
a. Welche grundsätzliche Bedeutung misst der Senat der ästhetischen Bildung vor dem Hintergrund zu, dass im Rahmen der PISA-Debatte der Fokus der Aufmerksamkeit auf Fragen der Problemlösungskompetenz liegt?
b. Plant der Senat, die ästhetische Bildung und Erziehung an Hamburgs Schulen zu intensivieren? Wenn ja, mit welchen Maßnahmen?
c. Der Landesmusikrat hat die Forderung nach einer durchgängigen dritten Musikstunde erhoben. Wie bewertet der Senat diese Forderung in inhaltlich-pädagogischer Hinsicht?
d. Die Musik-Arbeitsgemeinschaften und Neigungskurse wie Chor, Orchester, Bands, verschiedene Instrumental- und Tanzgruppen etc. werden neben anderen Maßnahmen aus einem Leertitel im Haushalt Titel 3100.548.61 Zusätzliche Mittel für Sach- und Fachausgaben finanziert. Die Höhe der Ausgaben ist abhängig von den Einnahmen im Titel 3100.119.61 Einnahmen aus Verkäufen, zusätzlichen Angeboten und Sponsorengeldern.
i. Wie hat sich der oben genannte Einnahmetitel in den letzten Jahren entwickelt?
ii. Mussten aufgrund der Einnahmeentwicklung in den letzten beiden Jahren Neigungskurse gestrichen werden, in welchem Umfang sind davon Neigungskurse im Musikbereich betroffen?
iii. Wie gedenkt der Senat in Zukunft sicher zu stellen, dass außerunterrichtlichen Neigungskurse im Musikbereich in ausreichendem Umfang stattfinden können?
e. An verschiedenen Hamburger Schulen bestehen seit längerem so genannte Musikzüge, Klassen mit erweitertem Musikunterricht
i. Um welche Schulen handelt es sich dabei?
ii. In welchem Umfang wird der Musikunterricht gegenüber dem Standard ausgeweitet?
iii. Welche Anmeldezahlen haben diese Musikzüge?
f. Schulen stellen nicht nur einen Lernort dar, sie sind für die Beteiligten auch ein Lebensraum, der mit kulturellen Lebensäußerungen aller Art gefüllt wird. In Drs. 16/4995 berichtete der damalige Senat, dass die musikalischen Leistungen von Schülerinnen und Schülern in zahlreichen Aufführungen einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Beispielhaft werden für das Schuljahr 1994 /95 an Gymnasien 237 Konzerte genannt. Wie viele außerunterrichtliche Musikveranstaltungen an Schulen gab es in den letzten drei Schuljahren?
g. An Hamburgs Schulen hat in den letzen Jahren im Rahmen der Entwicklung der Schulprogramme eine intensive Diskussion über Profilbildung und Entwicklungsplanung gegeben.
i. Welche Schulen haben dabei der musikalischen Bildung besonders Gewicht gegeben?
ii. In welcher Weise wird diese Schwerpunktsetzung im Schulleben verwirklicht?
2. Verlässliche Halbtagsgrundschule
Seit Mitte der 90ger Jahre kooperieren viele Grundschulen eng mit der Staatlichen Jugendmusikschule. In inzwischen 65 Grundschulen wird der Wahlpflichtbereich Künste, der den Musik- und Kunstunterricht zusammenfasst in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Jugendmusikschule durchgeführt. Das Musikangebot der Verlässlichen Halbtagsgrundschulen wird durch das Spektrum der Jugendmusikschule, das von elementarer Musikerziehung, über Rhythmik, Tanz, Singen, Chor und Instrumentengruppen bis hin zu Musiktheater und Musiktherapie reicht, vielfältiger und attraktiver. Ca. 5800 Grundschulkinder werden mittlerweile durch diese Kooperation erreicht.
a. In welchen Grundschulen gibt es eine Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule und wie sieht diese im Einzelnen aus? Wie viele Lehrerstunden stehen dafür zur Verfügung?
b. Wie bewertet die Behörde die bisherigen Erfahrungen mit der Kooperation von Grundschulen und Jugendmusikschule?
c. Ist es vorgesehen, die Kooperation zwischen der Jugendmusikschulen und den Grundschulen auszuweiten?
d. Welches Gewicht misst die Behörde vor dem Hintergrund der eingangs dargelegten Bedeutung musikalischer Bildung der entsprechenden Aus- und Weiterbildung von Grundschullehrerinnen und -lehrern bei?
e. Wie will der Senat sicherstellen, dass an jeder Grundschule hinreichend qualifiziertes Personal vorhanden ist, um hochwertigen Musikunterricht erteilen zu können? Ist es in diesem Zusammenhang denkbar, jeder Grundschule einen/eine voll ausgebildeten Musiklehrer / Musiklehrerin zuzuweisen, die / der dann dafür zuständig ist, fachfremd unterrichtende Kolleginnen und Kollegen anzuleiten bzw. zu unterstützen? Welche anderen Überlegungen hat Senat dazu angestellt?
3. Ganztagsschulen
Ganztagsschulen mit einem entsprechenden pädagogischen Konzept eröffnen neue Wege bei der Verknüpfung von fachlichem und sozialem Lernen. Sie geben einen zeitlichen Rahmen, in dem das Lernen anders strukturiert werden kann, wodurch eine gezielte individuelle Förderung von Talenten jeder Art oft erst ermöglicht wird. Sie bieten die Chance einer engen Kooperation mit allen in ihrem Umfeld befindlichen Institutionen und Einrichtungen.
a. Welche Konzepte hat oder entwickelt der Senat, um außerschulische Träger von Jugendmusikangeboten in die Gestaltung der unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Angebote von Ganztagsschulen einzubeziehen?
b. Plant der Senat eine Einbeziehung des Unterrichts der Jugendmusikschule in die Ganztagsschule? Wenn ja – wie im einzelnen?
c. Wenn nein – was spricht aus Sicht des Senates gegen eine Vertiefung der Kooperation von Jugendmusikschule und Schulen?
4. Gymnasien
Nur noch ca. 10-12 Prozent der Oberstufenschülerinnen und -schüler belegen das Fach Musik. Immer weniger Schülerinnen und Schüler der Hamburger Gymnasien belegen Musikleistungskurse oder wählen Musik als 3. Abiturprüfungsfach.
a. Worauf führt der Senat diese Verringerung bei den Belegzahlen zurück?
b. Sieht der Senat Anlass zu Maßnahmen, die diesem Rückgang der Bedeutung des Fachs Musik entgegenwirken? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?
c. Plant der Senat weiterhin die Abschaffung des Pflichtmusikunterrichts in der Klasse 8 des achtjährigen Gymnasiums?
d. Der Senat plant eine dritte Musikstunde für die Grundkurse in der Oberstufe des 8-zügigen Gymnasiums (bisher zweistündig). Welche Überlegung liegt einer Ausweitung des Musikunterrichtes zu diesem Zeitpunkt zugrunde?
e. (Im Rahmen der vom Senat betriebenen Verkürzung der Gymnasial-Bildungsgänge auf 8 Klassenstufen wird es zu einer Verdichtung des Unterrichtes kommen. Die Schülerinnen und Schüler, die jetzt in der 5. Klasse sind, werden im Jahr 2004 die 7. Klasse erreichen und 34 Unterrichtsstunden pro Woche haben. Wie versucht der Senat den Auswirkungen zu begegnen, die auf den Besuch der schulischen Neigungskurse, auf den Besuch der Staatlichen Jugendmusikschule, der Privatmusiklehrer und den Besuch anderer außerschulischen Anbieter von Bildung und Ausbildung haben wird?)
5. Bedarf an Fachkräften in Schulen
a. Wie viele Unterrichtsstunden sind im Fach Musik entsprechend Stundentafeln der unterschiedlichen Schulformen pro Klassenstufe zu erteilen?
b. Wie viele Stellen stehen für den Musikunterricht derzeit zur Verfügung?
c. In Beantwortung der kleinen Anfrage zum Musikunterricht (Drucksache 17/1444) legt der Senat dar, dass für die regelhafte Führung einer fachbezogenen Statistik zum Unterrichtsausfall die Voraussetzungen fehlten. Die Erhebung und Zusammenführung von Daten zum Unterrichtsausfall aller Fächer in allen Schulen übersteige die Personalkapazitäten
i. Hält die zuständige Behörde die ihr vorliegenden Informationen über den Umfang der tatsächlich erteilten Unterrichtsstunden bzw. des ausgefallenen Unterrichtes im Fach Musik für ausreichend?
ii. Hält der Senat es vor dem Hintergrund der genannten Sachlage für zweckmäßig, zumindest eine Stichprobenerhebung über ausfallende Musikstunden an Hamburger Schulen vorzunehmen?
d. Wie viele ausgebildete Musiklehrer stehen an Hamburger Schulen in Grundschulen, in Sekundarstufe I, Sekundarstufe II und der Oberstufe derzeit zur Verfügung? Antwort bitte nach Schulform und –stufe aufschlüsseln!
i. Wie viele dieser Lehrkräfte erteilen tatsächlich Musikunterricht?
ii. Nach unserem Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass viele ausgebildete Schulmusikerinnen und Schulmusiker gar keinen oder nur noch wenig Musikunterricht geben. Welche Möglichkeiten hat der Senat zu bewirken, dass die in den Schulen eingestellten Musikfachkräfte mehr Musikunterricht erteilen als gegenwärtig der Fall?
e. Zur Gewährleistung des Musikunterrichts in Hamburger Schulen werden von der BBS teilweise befristete Lehraufträge an Fachkräfte vergeben. Teilweise sollen dabei auch Personen ohne abgeschlossene Ausbildung eingesetzt werden.
i. In wie vielen Fällen werden von der BBS derzeit externe Kräfte für die Durchführung von Musikunterricht beauftragt?
ii. An welchen Schulen ist das der Fall?
iii. Trifft es zu, dass dabei auch Lehrpersonen ohne abgeschlossene Ausbildung eingesetzt werden?
iv. Nach welchen Kriterien werden die Lehrpersonen eingestellt?
v. Auf welcher vertraglichen Grundlage geschieht dies?
f. Die zweite Arbeitszeitkommission bewertet das Fach Musik außer in den Grundschulen, wo es diese Differenzierungen nicht gibt, geringer als Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen, Naturwissenschaften und auch als Religion und Ethik. Der gesetzte Faktor für Musik liegt ab der Sekundarstufe I durchgängig unterhalb des zugewiesenen Durchschnittsfaktors der jeweiligen Jahrgangsstufe und Schulform. Musiklehrerinnen und –lehrer werden zukünftig mehr Stunden unterrichten müssen als bisher. Welche Auswirkungen wird dies auf die Einstellungspraxis des Senats haben? Wie viele Stellen werden zukünftig für den Musikunterricht zur Verfügung stehen?
6. Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonal
Der Senat hat in der Drucksache 17/1444 mitgeteilt: "Es gibt gegenwärtig keine arbeitslosen voll ausgebildeten Bewerberinnen und Bewerber für den Hamburger Schuldienst mit dem Fach Musik".
a. Hält der Senat die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit schulmusikalischer Ausbildung für ausreichend? Falls nein: Welche Maßnahmen ergreift der Senat, damit es mehr Bewerberinnen und Bewerber für das Schulmusikstudium gibt?
b. Inwiefern unterstützt der Senat die Bemühungen der Schulmusikabteilung an der Hochschule für Musik und Theater nach einer gegenwartsgerechten Ausbildung der zukünftigen Schulmusikerinnen und Schulmusiker?
c. Im Unterschied zu anderen Musikhochschulen, an denen rückläufige Bewerberzahlen für das Schulmusikstudium zu verzeichnen sind, melden sich in Hamburg regelmäßig viele Bewerber für die Schulmusik-Aufnahmeprüfung: im Jahre 2002 waren es 8O, im Jahr 2003 mehr als 70. Dies kann es Beleg für die anerkannt praxisorientiert ausgerichtete Ausbildung an der Hamburger Hochschule gewertet werden. Diesen Bewerberzahlen entspricht die Zahl der vorhandenen Studienplätze nicht. Die Aufnahmequote liegt derzeit nur bei 31 Studenten.
i. Plant der Senat eine Ausweitung der Studienplätze an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, damit mehr Bewerber für Musikunterricht auch auf die BBS zukommen?
d. Damit die Schulmusikstudierenden nach Abschluss des Studiums auch in den Schuldienst gehen, müssen ihnen konkrete Berufsperspektiven eröffnet werden, zumal sie angesichts des schon bestehenden und sich wegen der absehbaren Pensionierungswelle massiv verstärkenden Musiklehrermangels dringend in den Schulen benötig werden Wir fragen: Was tut der Senat, um diese Schulmusiker über die zu erwartenden Einstellungsbedarfe zu informieren, im Studienseminar entsprechende Ausbildungskapazitäten zu schaffen und ihnen verlässliche Einstellungsperspektiven zu eröffnen?
e. Wie bewertet der Senat die Bemühungen der Universität Hamburg, Studiengang LGM, Lernbereich Musik, die dortige Ausbildung mit zusätzlichen Musikfachangeboten weiterzuentwickeln, damit mehr Lehrerinnen und Lehrer in die Schule kommen, die auch Musikstunden übernehmen können?
f. Die Jahresseminare des Instituts für Lehrerfortbildung für das Fach Musik waren sehr erfolgreich. Lehrerinnen und Lehrer, ohne Musikstudium, konnten in einjährigen Kursen eine Weiterbildungsmaßnahmen für Musikdidaktik wahrnehmen.. Diese Jahresseminare wurden in den letzten Jahren reduziert, seit 1998/1999 gibt es sie gar nicht mehr. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden weiteren Verknappung des Lehrerangebotes fragen wir, ob der Senat eine Neuauflage und Ausweitung dieser Jahresseminare plant.
g. Wie viele Absolventinnen und Absolventen des Hamburger Studienseminars mit dem Unterrichtsfach Musik wurden in den letzten 5 Jahren in den Hamburger Schuldienst übernommen? Bitte aufschlüsseln nach Jahren und Schultypen.
7. Staatliche Jugendmusikschule
Die Hamburger Staatliche Jugendmusikschule hat einerseits einen staatlichen Bildungsauftrag, sie bietet insbesondere auch Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien eine musikalische Grundausbildung. Sie bildet den musikalischen Nachwuchs, entdeckt und fördert musikalische Begabungen und bereitet zudem auf Musikberufe vor. Zugleich hat sie Funktionen im Bereich der Jugendpflege und Jugendhilfe.
a. Die Staatliche Jugendmusikschule ergänzt den Musikunterricht der Schulen. Sie hat allerdings eine lange Warteliste. Den über 7000 Belegungen (= stattfindender Unterricht) stehen über 7000 Kinder und Jugendliche gegenüber, die noch auf Unterricht warten. Der Verband deutscher Musikschulen (VdM), der Trägerverband der kommunalen und staatlichen Musikschulen, fordert, dass 1 % der Bevölkerung die Musikschule besuchen soll, damit diese ihre Aufgaben in der Stadt erfüllen kann. Welche Maßnahmen plant der Senat, um die Warteliste der Jugendmusikschule zu verringern bzw. zusätzliche Unterrichtsplätze zu schaffen?
b. Neben dem Zentralstandort ist die Jugendmusikschule auch an verschiedenen Standorten in ganz Hamburg mit Unterrichtsangeboten präsent.
i. Welche Standorte sind dies im Einzelnen?
ii. In welchem Umfang werden diese Standorte jeweils genutzt?
c. Der Neubau der Zentrale der Staatlichen Jugendmusikschule wurde neben die Aula der Fremdsprachenschule H 15 am Mittelweg gebaut, um eine Nutzung der bisher wenig frequentierten Aula als Veranstaltungszentrum der Jugendmusikschule zu ermöglichen. Leider kann die Jugendmusikschule diese Aula trotz Fertigstellung des Neubaus im Jahre 2000 bis heute kaum nutzen.
i. Wann steht die Aula der H 15 der Musikschule zur Verfügung?
ii. Ist eine Renovierung des Aulagebäudes vorgesehen, die einen nutzungsangemessenen wetterunabhängigen Übergang zwischen Aula und Neubau der Musikschule, Musikakustik, die gehobenen Ansprüchen genügt, Schallisolierung, Verkabelung mit dem Hauptgebäude, aufführungsgerechter Bühnenbau, Bestuhlung etc. berücksichtigt?
d. Der Neubau der Jugendmusikschule soll den Schülerinnen und Schülern der Musikschule auch als Veranstaltungszentrum dienen, in dem sie Musiziergemeinschaften (Bands, Chöre, Orchester) gründen und für einander Konzerte geben können. Aufgrund der derzeitigen Stellenausstattung ist es der Jugendmusikschule bisher nicht möglich, das geplante Veranstaltungswesen aufzubauen. Der Studiosaal der Musikschule wird derzeit nach unserem Kenntnisstand so gut wie gar nicht genutzt. Wie will der Senat gewährleisten, dass am Mittelweg nicht nur Unterricht sondern auch Schülerkonzerte stattfinden können?
8. Musikalische Frühförderung
Forschungsergebnisse belegen, dass die menschlichen Fähigkeiten von den Lernerfahrungen abhängen, die der Mensch im Kleinkind- bzw. Säuglingsalter macht. Deshalb sind alle Ansätze einer musikalischen Frühförderung im Kleinst- und Kleinkindalter von besonderer Bedeutung. Dieser Aspekt hat mittlerweile besondere Bedeutung erlangt, weil das Singen und Musizieren in den Familien allen Beobachtungen nach stark zurück gegangen ist.
a. Welche Möglichkeiten sieht der Senat zur Intensivierung der Frühförderung in Musik?
b. Welche Möglichkeiten sieht der Senat, die Eltern zum Singen und Musizieren mit ihren Kindern anzuregen?
c. Das neue Kindertagesstätten-Gesetz (Drs. 17/1753) nennt in § 2 Abs. 2 Nr. 4 unter den Aufgaben der Kindertagesseinrichtungen die Entfaltungen der (...) musischen und schöpferischen Kräfte zu unterstützen. Die Träger sollen die Umsetzung dieser Aufgaben in einer einrichtungsspezifischen Konzeption beschreiben, vgl. § 2 Abs. 3
i. In welcher Weise werden Elemente musikalischer Betätigung derzeit in die Kindertagesbetreuung einbezogen?
ii. Sind die Kindertagesstätten nach Auffassung des Senates in personeller und sächlicher Hinsicht ausreichend ausgestattet, um dem musikpädagogischen Aspekt des musischen Bildungsauftrages aus § 2 Abs. 2 Nr. 4 umzusetzen?
1. Wenn ja – inwiefern?
2. Wenn nein – welche Überlegungen gibt es zu einer Verbesserung der Situation?
d. Worin besteht nach Kenntnissen des Senates typischerweise die Ausstattung Hamburger Kindertageseinrichtungen mit Musikalien?
e. Die durch die Ausbildungs- und Prüfungsordnung 1998 neu strukturierte Erzieherausbildung sieht die Möglichkeit vor, im Bereich der Kinderkultur und der Jugendkultur einen Vertiefungsbereich anzubieten. Im Lernbereich 1 der Berufsfachschule für sozialpädagogische Assistenz und im Bereich der Fachhochschule für Sozialpädagogik wird unter anderem auch das Fach ´Spielpädagogik und Musik´ unterrichtet, das im Rahmen des Vertiefungs- und Wahlpflichtunterrichts zum Schwerpunkt der Ausbildung gemacht werden kann.
i. Welchen Inhalt hat das Fach Spielpädagogik und Musik im Bereich der Fachhochschul-, welchen im Bereich der Berufsfachschulausbildung?
ii. Mit wie vielen Wochenstunden wird dies Fach im Pflicht- bzw. im Wahlpflichtunterricht angeboten?
iii. Zu welchem Anteil haben die Absolventinnen oder Absolventen der Berufsfachschule in den letzten drei Jahren das Fach Spielpädagogik und Musik als Schwerpunktfach gewählt?
iv. Zu welchem Anteil haben die Absolventinnen oder Absolventen der Fachhochschule für Sozialpädagogik in den letzten drei Jahren das Fach Spielpädagogik und Musik als Schwerpunktfach gewählt?
v. Plant der Senat vor dem Hintergrund der erweiterten Bildungsaufgaben von Kindertageseinrichtungen, die Ausbildung der Erzieherinnen im musischen Bereich zu verändern?
9. Jugendinformationszentrum
Das Hamburger Jugendinformationszentrum (JIZ) versteht sich als Service- und Informationspool verschiedenster alltagsrelevanter und gesellschaftlicher Bereiche für junge Menschen zwischen dem 10. und dem 27. Lebensjahr. Es bietet unter anderem auch Informationen über Möglichkeiten, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen oder selbst an kulturellen Aktivitäten teilzunehmen.
a. Wie viele Veranstaltungen aus dem Bereich der Jugendmusikpflege wurden vom JIZ in den Jahren 1999- 2002 beworben?
b. Welche Informationsverbreitung konnte das JIZ dabei mit seinen verschiedenen Informationsmedien erzielen?
10. Musikvermittlung in Oper und Konzerten
Es ist seit längerem zu beobachten, dass der Altersdurchschnitt beim Publikum der Staatsoper und der Konzertsäle hoch ist und nur ein geringer Teil der Jugendlichen als Publikumsnachwuchs für diesen Musikbereich zu gewinnen ist. Für die Museen Hamburgs sind spezifische Kinder- und Jugendmaßnahmen seit langem fester Bestandteil der Angebotsstruktur Eine vergleichbare Möglichkeit zur altersgerechten Musikdidaktik besteht in speziellen Kinderkonzerten oder in Musikwokshops zu bestimmten Programmen.
a. Welche Angebote machen die Hamburgische Staatsoper und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg für Kinder und Jugendliche?
b. Was tut der Senat dafür, die Entwicklung des zukünftigen Publikums in den unterschiedlichen Musikgenres, insbesondere aber im Bereich von Oper und Konzert zu intensivieren?
c. Gibt es eine institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Staatsoper bzw. Staatsorchester und den Schulen, etwa durch das zur Verfügung stellen von Hintergrundinformationen zu Musikprogrammen für den Unterricht?
d. Die Hamburgische Staatsoper bietet für die laufende Saison "Jugend-Abos" an "für alle unter 26" mit Ermäßigungen bis 70%.
i. Wie viele Jugend-Abos wurden bereit gestellt?
ii. Wie viele davon sind verkauft worden?
e. Nach Wahrnehmung von Lehrerinnen und Lehrern werden von der Staatsoper zu wenige Schülerkarten bereit stellt, wohingegen der Kulturring der Jugend klagt, dass die Schulen zu wenig Staatsopernkarten abrufen.
i. Wie viele Schülerkarten Karten wurden von der Staatsoper in den beiden vergangenen Spielzeiten bereit gestellt
ii. Wie viele wurden von Schulen abgerufen?
iii. Welche Veränderungen plant der Senat, um die Nutzung dieser Kartenkontingente zu optimieren?
11. Sonstige Musikpflege
Der Etat der Kulturbehörde "Sonstige Musikpflege", mit dem auch die außerschulischen Musikbegegnungen der Kinder und Jugendlichen in den Chören, Orchestern und Bands, in den Musikvereinen, in den Kinderkonzerten und die Begegnung mit Komponisten gefördert werden und dem deshalb bei der Entwicklung eines künftigen Musikpublikums besondere Bedeutung zukommt, ist in den letzten Jahren erheblich gekürzt worden. Zuletzt wurde er mit dem Haushalt 2003 um weitere 108.000 € gekürzt.
a. In welchem Umfang kommen diese Mittel der Jugendmusik zugute?
b. Plant der Senat wegen der Probleme bei der Nachwuchsförderung eine Aufstockung?
c. Bei der "Sonstigen Musikpflege" sind 200.000 € für die Projektförderung in den Bereichen E-Musik und Popularmusik vorgesehen.
i. Welche Antragssumme stand diesen 200.000 € im Jahr 2003 gegenüber?
ii. Wie viele Projektanträge wurden im Haushaltsjahr 2003 gestellt und wie viele davon werden berücksichtigt?
iii. Nach welchen konkreten Kriterien werden diese Fördermittel vergeben?
iv. Von wem wird diese Entscheidung getroffen?
d. Wie viele Projekte wurden in den Jahren 1998, 1999, 2000, 2001 und 2002...
Aktualisierte Übersicht zu den Stundentafeln für den Musikunterricht an Gymnasien
Zusammenstellung: Uve Urban
Stand: 15. 5. 2003
BW | 3 | 2 | 2 | 1* | 1* | 1* | 10 | G9 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
3 | 2 | 2 | 1* | 1* | 1* | 10 | G8 ab 2004/5 Regelschule | |
BY | 3' | 2 | 2 | 1 | 1 | 1 | 10 | G9 |
- | - | - | - | - | - | . | G8 generell nicht angestrebt | |
BE | 2 | 2 | 2 | 2 | 1* | 1* | 10 | G9, sechsjährige Grundschule |
- | - | - | - | - | - | . | G8 nicht flächendeckend angestrebt | |
BB | 2 | 2 | 1* | 1* | 1* | 1* | 8 | G9, sechsjährige Grundschule |
- | - | - | - | - | - | . | G8 angestrebt | |
HB | 1* | 1* | 1* | 1* | 1* | 1* | 6 | G9, angegliederte Orientierungsstufe |
- | - | - | - | - | - | . | G8 nicht flächendeckend angestrebt | |
HH | 2 | 2 | 2 | 2 | WP 2 | WP 2 | 8 | G9, Wahlpflicht: Musik/Kunst |
2 | 2 | 2 | 2 | WP 2 | WP 2 | 8 | G8, Wahlpflicht: Musik/Kunst/Darstellendes Spiel | |
HE | 2 | 2 | - | 2 | - | 2 | 8 | G9 |
2 | - | 2 | - | 2 | - | 6 | G8 möglich, aber nicht flächendeckend angestrebt | |
MV | 1* | 2 | 1,5* | 1* | 1* | 1* | 7,5 | G9 |
1* | 2 | 2 | 1,5* | 1* | 1* | 8,5 | G8 angestrebt | |
NI | 2 | 2 | 2 | 1 | 1 | 2 | 10 | G9, ab 2003 statt O.Stufe Förderstufe |
- | - | - | - | - | - | . | G8 flächendeckend nicht in Sicht | |
NW | 2 | 2 | 1 | 1* | 1* | 1* | 8 | G9 |
- | - | - | - | - | - | . | G8 derzeit nicht angestrebt | |
RP | 2 | 2 | 2 | 2 | 1* | 1* | 10 | G9 |
- | - | - | - | - | - | . | G8 nicht angestrebt | |
SL | - | - | - | - | - | - | . | . |
2 | 2 | 2 | - | 2 | WP 2 | 8 | G8 Regelschule | |
SN | - | - | - | - | - | - | . | . |
2 | 1* | 1* | 1* | 2 | 1* | 8 | G8 Regelschule | |
ST | 1* | 1* | 1* | 1* | 1* | 1* | 6 | G9, schulform- unabhängige Förderstufe |
- | - | - | - | - | - | . | G8 derzeit nicht angestrebt | |
SH | 2 | 2 | 2 | 2° | 2° | 2 | 8/10 | G9 |
- | - | - | - | - | - | . | G8 derzeit nicht angestrebt | |
TH | - | - | - | - | - | - | . | . |
2 | 2 | 2 | 2 | 1* | 1* | 10 | G8 Regelschule |
* kann auch als 2-stündiger Epochenunterricht im halbjährlichen Wechsel mit Kunst angeboten werden
° je nach Personalausstattung Angebot von Musik oder Kunst
WP Wahlpflichunterricht
' ab Schuljahr 2003/04: 2; damit Summe ab kommendem Schuljahr: 9
Stundenausstattung
- Baden-Würtemberg 10
- Bayern (bis 2003) 10
- Berlin 10
- Niedersachsen 10
- Rheinland-Pfalz 10
- Thüringen 10
- Schleswig-Holstein 8/10
- Nordrhein-Westfalen 8
- Brandenburg 8
- Hamburg 8
- Hessen (bei G9) 8
- Saarland 8
- Sachsen 8
- Mecklenburg-Vorpommern 7,5
- Bremen 6
- Hessen (bei G8) 6
- Sachsen-Anhalt 6


